Ausgabe März 2008

My Lai oder Die Stunde des Außenseiters

Warum Historiker in der Schuld von Seymour M. Hersh stehen

Was sich vor 40 Jahren, am 16. März 1968, im südvietnamesischen My Lai abspielte, ist weitgehend bekannt. Gegen 7.30 Uhr wurden die „Charlie“- und die „Bravo“-Kompanie der US-Sondereinheit Task Force Barker in der Nähe dreier Dörfer von Transporthubschraubern abgesetzt. Ihr Auftrag: die küstennahe Region der Provinz Quang Ngai „zu durchkämmen“, ein Kampfbataillon des Vietcong, das 48. VC Local Force Battalion, aufzuspüren und politische Funktionäre der Nationalen Befreiungsbewegung dingfest zu machen. Die C Company rückte in Xom Lang und Binh Tay ein, ein Platoon der B Company umstellte My Hoi – Siedlungen, die auf amerikanischen Militärkarten als „My Lai“ und „My Khe“ verzeichnet waren. Die Bilanz nach zweieinhalb Stunden: zwischen 490 und 520 Ermordete, einige waren erst wenige Wochen alt, manche im Greisenalter, die meisten waren Bauern mittleren Alters. Amerikanische Verluste: keine. Erbeutete Waffen: angeblich vier. Kein einziger Schuss war auf die GIs abgegeben worden; sie wussten, dass es sich bei den Opfern um Zivilisten handelte; sie hatten ihnen von Angesicht zu Angesicht gegenübergestanden und sich von der ersten Minute an wie Schlächter aufgeführt.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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