Ausgabe April 2009

Die Krise der Linksintellektuellen

Leo Koflers Theorie der progressiven Elite und die Neue Linke

Dass seit einigen Jahren wieder zunehmend über den deutschen Linkssozialismus geforscht und diskutiert wird, ist sicherlich nicht nur, aber eben auch der Tatsache geschuldet, dass in einer Zeit gesellschaftlicher Repolitisierung auch die Geschichte und Theorien des Linkssozialismus wieder auf den Prüfstand der Aktualität gestellt werden. Dabei war fast in Vergessenheit geraten, dass es bereits lange vor „68“ eine erste „Neue Linke“ in der Bundesrepublik gegeben hat, zu deren bedeutenden Vertretern Wolfgang Abendroth und Viktor Agartz zählen.

Der unorthodoxe Marxismus Leo Koflers darf bei einer solchen Diskussion nicht fehlen, handelt es sich doch bei ihm um einen so bemerkenswert verdrängten wie herausragenden Vertreter dieser Tradition linker Intellektueller, über den Klaus Vack, selbst ein Urgestein der westdeutschen Neuen Linken, vor 30 Jahren zu Recht schrieb, dass man ihn „nicht für irgendeine Gruppe [der deutschen Linken] reklamieren [kann]. Dazu ist Leo Koflers Weg zu unabhängig und eigenwillig gewesen. […] Und trotzdem könnte keine zureichende Geschichte der sozialistischen Linken […] erscheinen, ohne Koflers Arbeit und seine oft eher verborgenen Einflüsse zu erwähnen.“ 1

Kofler war zuallererst ein marxistischer Theoretiker, ein Sozialphilosoph und Gesellschaftstheoretiker. Er war aber auch und gleichzeitig ein politischer Intellektueller.

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