Ausgabe April 2009

Die Krise der Linksintellektuellen

Leo Koflers Theorie der progressiven Elite und die Neue Linke

Dass seit einigen Jahren wieder zunehmend über den deutschen Linkssozialismus geforscht und diskutiert wird, ist sicherlich nicht nur, aber eben auch der Tatsache geschuldet, dass in einer Zeit gesellschaftlicher Repolitisierung auch die Geschichte und Theorien des Linkssozialismus wieder auf den Prüfstand der Aktualität gestellt werden. Dabei war fast in Vergessenheit geraten, dass es bereits lange vor „68“ eine erste „Neue Linke“ in der Bundesrepublik gegeben hat, zu deren bedeutenden Vertretern Wolfgang Abendroth und Viktor Agartz zählen.

Der unorthodoxe Marxismus Leo Koflers darf bei einer solchen Diskussion nicht fehlen, handelt es sich doch bei ihm um einen so bemerkenswert verdrängten wie herausragenden Vertreter dieser Tradition linker Intellektueller, über den Klaus Vack, selbst ein Urgestein der westdeutschen Neuen Linken, vor 30 Jahren zu Recht schrieb, dass man ihn „nicht für irgendeine Gruppe [der deutschen Linken] reklamieren [kann]. Dazu ist Leo Koflers Weg zu unabhängig und eigenwillig gewesen. […] Und trotzdem könnte keine zureichende Geschichte der sozialistischen Linken […] erscheinen, ohne Koflers Arbeit und seine oft eher verborgenen Einflüsse zu erwähnen.“ 1

Kofler war zuallererst ein marxistischer Theoretiker, ein Sozialphilosoph und Gesellschaftstheoretiker. Er war aber auch und gleichzeitig ein politischer Intellektueller.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Greenwashing für Glyphosat

von Jan Kursko

„Mein Job wird oft kritisiert. Aber er rettet auch Leben.“ Wenn eine Firma es sich erlaubt, mit derart bekenntnishafter Anti-Propaganda die Werbeflächen des Landes zu plakatieren, dann muss es ihr schon erstaunlich gut gehen – oder aber das Wasser steht ihr bis zum Hals.

Im Zeitalter der Verwüstung

Bild: imago images / Future Image

Im Zeitalter der Verwüstung

von Mathias Greffrath

2019 war das Jahr, in dem kein Tag verging, ohne neue Klimakatastrophenmeldungen: Brandherde in Bolivien, so groß wie zwei Bundesländer, gestorbene Gletscher auf Island, Dürre im Sudan, tausende Hitzetote in Europa, 700 Millionen Euro Ernteschäden in Deutschland, Venedig unter Wasser wie lange nicht, und immer dramatischere Zahlen.

Mythos Erhard: Die Legende vom deutschen Wirtschaftswunder

von Ulrike Herrmann

Vor bald 75 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende. Danach soll Westdeutschland, so will es die Legende, ein einzigartiges „Wirtschaftswunder“ erlebt haben, das allein der Währungsreform zu verdanken sei. Und wie in jedem Märchen gibt es dabei auch einen Helden: Ludwig Erhard. Selbst Grüne lassen sich inzwischen mit seinem Konterfei abbilden.

Bild: Nico / Unsplash

Neoliberal und ökologisch?

von Dieter Plehwe

Angesichts der sich zuspitzenden Klimakrise sind dringend Maßnahmen geboten, die tiefe Eingriffe in Märkte und Preise erfordern – darin ist sich eine überwältigende Mehrheit der Klimawissenschaftler*innen einig.