Ausgabe Februar 2009

Bush vor Gericht?

Die Bush-Regierung ist vorbei und Barack Obama Präsident. Von ihm wird erwartet, dass er die Gesetzes- und Menschenrechtsverstöße seines Vorgängers verwirft. Doch damit stellt sich eine Frage von enormer Größenordnung und Sprengkraft: Was soll mit denjenigen geschehen, die ein beträchtlicher Teil der Öffentlichkeit in den westlichen Demokratien, von den Vereinigten Staaten gar nicht zu reden, als Kriegsverbrecher betrachtet?

Obama symbolisiert einen Neubeginn in Amerika, die Chance, Erneuerung und Gerechtigkeit zu bewirken. Aber Neuanfänge wischen nicht einfach die Geschichte von der Tafel. Die immer weitere Verbreitung von Gedenkstätten und -veranstaltungen – Versuche der Entschuldigung für historische Verbrechen und Verfolgungsmaßnahmen, die niemals ungeschehen gemacht werden können – hat dies in den letzten Jahren verdeutlicht. Wenn jetzt eine neue US-Regierung einen Neubeginn unternimmt, bedeutet dies eine neu strukturierte Gesetzgebung, die ergänzt und korrigiert, was bereits getan wurde, und die Normen des öffentlichen Lebens verändert.

Im gegenwärtigen Fall muss ganz klar zwischen zwei Dingen unterschieden werden: zwischen den innen- und außenpolitischen Themen, die in Wahlkämpfen zur Debatte stehen und jetzt Obamas Regierungsagenda bestimmen, und der Bilanz internationaler Rechtsverstöße, die Bush hinterlässt, darunter Handlungen, die – wie die Folter – allgemein als Kriegsverbrechen gelten.

Sie haben etwa 20% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 80% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Krieg und Frieden

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.