Ausgabe Februar 2009

Das Ende des heroischen Unternehmers

Am 15. September 2008 erlebte die letzte Großideologie des 20. Jahrhunderts ihr Waterloo. An diesem Tag meldete das New Yorker Investmenthaus Lehman Brothers Insolvenz an – und die Regierung von US-Präsident George W. Bush ließ die Bank tatsächlich zusammenkrachen.

Damit eskalierte die globale Finanzkrise und löste eine Abwärtsspirale aus, wie es sie seit dem Crash des Jahres 1929 nicht mehr gegeben hatte. Schockwellen verbreiteten sich binnen weniger Sekunden über die internationalen Finanznetzwerke.

Gleichzeitig war dies der Auftakt zu einer beispiellosen Rettungsaktion: Weil die Kernschmelze des globalen Finanzsystems drohte, wurden von Washington bis London, Paris bis Berlin, Tokio bis Brüssel Hilfspakete geschnürt. In Großbritannien stieg der Staat gewissermaßen als „Aktionär“ in die Banken ein, die Notenbanken pumpten hunderte Milliarden frisches Geld in den Markt. Die deutsche Regierung legte einen 480-Mrd.-Euro-Rettungsfonds auf. Auch Österreich hat ein 100-Mrd.-Euro-Hilfspaket geschnürt.

Der Kapitalismus überlebte – weil der Staat ihn gerettet hat. Eine hübsche Pointe, nachdem man uns 30 Jahre lang mit der Irrlehre „Mehr Privat, weniger Staat“ bombardiert hatte.

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