Ausgabe Februar 2009

Krieg um Gaza: Sieg der Hardliner

Journalisten, insbesondere manche Fernsehmoderatoren, wie auch Politiker in ihren öffentlichen Stellungnahmen tun manchmal so, als ob die Welt gestern erst erfunden wurde. Im Falle des jüngsten israelisch-palästinensischen Krieges hört sich eine solche Kommentierung dann etwa so an: Die – stets „radikal-islamische“ – Hamas schießt Raketen auf Israel; Israel nimmt sein Selbstverteidigungsrecht in Anspruch und schießt zurück.

Ohne Ideologie und Kriegsstrategie der „Islamischen Widerstandsbewegung“ – das bedeutet der Name „Hamas“ – in irgendeiner Weise als akzeptabel zu erachten, sollten bei der Analyse der Ereignisse folgende Fakten von Journalisten und Politikern doch beachtet werden: Der im Juni 2008 geschlossene, auf sechs Monate befristete Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas wurde zwar von beiden Seiten gelegentlich gebrochen, hat aber sonst recht ordentlich funktioniert – bis Israel am 4. November, als die ganze Welt gebannt auf die Wahl Barak Obamas schaute, sechs Mitglieder der Hamas-Al-Qassem-Brigaden tötete, die, angeblich, einen israelischen Soldaten entführen wollten. Diese Behauptung ist jedoch nicht zu beweisen; selbst in der israelischen Presse wurde sie nicht ganz ernst genommen.

Die Hamas-Raketenangriffe in den Jahren zuvor waren eine Antwort auf das israelische Wirtschaftsembargo gegen die 1,5 Millionen Einwohner Gazas.

Sie haben etwa 12% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 88% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe September 2020

In der September-Ausgabe erkennt der Philosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas im Wiederaufbauplan der EU – 30 Jahre nach der Zäsur von 1989/90 – eine zweite Chance für die innerdeutsche wie auch für die europäische Einheit. Die Literaturwissenschaftlerin Sarah Churchwell beleuchtet die langen Linien des amerikanischen Faschismus – vom Ku-Klux-Klan bis zu Donald Trump. Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze plädiert angesichts des Handelskriegs zwischen China und den USA für eine neue globale Entspannungspolitik. Und die Islamwissenschaftlerin Alexandra Senfft portraitiert den Kampf der Frauen gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Indien: Der große Exodus

von Ellen Ehmke

Es ist der größte Lockdown der Menschheitsgeschichte: Am 24. März verordnete Premierminister Narendra Modi dem indischen Subkontinent eine mehrwöchige Ausgangssperre, die mindestens bis Anfang Mai anhalten soll. Das Ziel: Die Ausbreitung des Coronavirus unter den knapp 1,4 Milliarden Inder*innen aufzuhalten.