Ausgabe Februar 2009

Krieg um Gaza: Sieg der Hardliner

Journalisten, insbesondere manche Fernsehmoderatoren, wie auch Politiker in ihren öffentlichen Stellungnahmen tun manchmal so, als ob die Welt gestern erst erfunden wurde. Im Falle des jüngsten israelisch-palästinensischen Krieges hört sich eine solche Kommentierung dann etwa so an: Die – stets „radikal-islamische“ – Hamas schießt Raketen auf Israel; Israel nimmt sein Selbstverteidigungsrecht in Anspruch und schießt zurück.

Ohne Ideologie und Kriegsstrategie der „Islamischen Widerstandsbewegung“ – das bedeutet der Name „Hamas“ – in irgendeiner Weise als akzeptabel zu erachten, sollten bei der Analyse der Ereignisse folgende Fakten von Journalisten und Politikern doch beachtet werden: Der im Juni 2008 geschlossene, auf sechs Monate befristete Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas wurde zwar von beiden Seiten gelegentlich gebrochen, hat aber sonst recht ordentlich funktioniert – bis Israel am 4. November, als die ganze Welt gebannt auf die Wahl Barak Obamas schaute, sechs Mitglieder der Hamas-Al-Qassem-Brigaden tötete, die, angeblich, einen israelischen Soldaten entführen wollten. Diese Behauptung ist jedoch nicht zu beweisen; selbst in der israelischen Presse wurde sie nicht ganz ernst genommen.

Die Hamas-Raketenangriffe in den Jahren zuvor waren eine Antwort auf das israelische Wirtschaftsembargo gegen die 1,5 Millionen Einwohner Gazas.

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