Ausgabe November 2009

Barack Obama und das Ende des Kalten Krieges

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die beiden mächtigsten Staaten der Welt von Verbündeten zu Konkurrenten. Ihre Auseinandersetzung sollte mit allen Mitteln außer denen eines heißen Krieges geführt werden; die atomaren Gefahren schreckten ab. Dieser Kampf wurde Kalter Krieg genannt. Es war die Konfrontation, wer der Stärkere wird.

Diese Phase dauerte jedoch nicht von 1949 bis 1989, wie die Orgie des Erinnerns an 40 Jahre Teilung suggeriert. Der Kalte Krieg ging von 1945 bis 2008 und schwächte beide Mächte – bis Präsident Obama begann, der Welt eine neue Richtung der Zusammenarbeit zu geben. Dieser Versuch dauert an. Der Friedensnobelpreis war Ausdruck der Hoffnung, dass er Erfolg haben möge.

Es ist eine lange, aufregende Geschichte. Der tiefste Einschnitt erfolgte mit der Implosion der Sowjetunion, dem Ende des Warschauer Paktes und der deutschen Einheit. Das Risiko eines apokalyptischen Krieges sank gegen Null, aber die Realität vieler kleiner Kriege rückte einen gesicherten Frieden in unbestimmte Ferne. Aus der Blockdisziplin entlassen, schienen begrenzte Gewaltanwendungen sogar in Europa wieder kalkulierbar. Die gebremste Konfrontation ging weiter.

Amerika erkannte und analysierte die neue Weltlage zuerst.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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