Ausgabe November 2009

Wohin treibt die SPD? Von Marx zu Kant: Bad Godesberg und der ethische Sozialismus

Zum Feiern dürfte der SPD nicht zumute sein, wenn sich am 15. November, nur wenige Wochen nach der größten Niederlage der deutschen Sozialdemokratie in der jüngeren Geschichte, die Verabschiedung des Godesberger Programms zum 50. Mal jährt. Das 1959 beschlossene Programm gilt als die große pragmatische Wende der Partei, die sie auf der einen Seite zur Volkspartei werden ließ und ihr damit überhaupt erst künftige Machtoptionen ermöglichte, auf der anderen Seite aber auch den Abschied von alten Theorie- und Gesellschaftsvorstellungen bedeutete.

Vor dem Hintergrund des verheerenden Ergebnisses bei der letzten Bundestagswahl ist die Rückbesinnung auf die damalige Debatte von großem Interesse – schon um zukünftige Fehler zu vermeiden. Bis heute ist deren Aktualitätswert eminent, gerade in Anbetracht der globalen Wirtschaftskrise. Denn wie damals steht die Linke heute insgesamt vor der Frage, ob eine freiheitliche und gerechte Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung denkbar ist, die über den Kapitalismus hinausweist – und wie diese beschaffen sein müsste.

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Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

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