Ausgabe April 2010

Weltcup der Niedertracht

Unterwegs nach Doha, wo Geld keine Rolle zu spielen scheint, las ich beim Londoner Zwischenstopp kürzlich den „Guardian“. Er schrieb von den Aasgeiern, die die gegenwärtige Krise nutzen, um sich ausgerechnet an den ärmsten Volkswirtschaften der Welt zu bereichern.

Sie kaufen in der Erwartung, dass die internationale Gemeinschaft irgendwann einen allgemeinen Schuldenerlass organisiert, Schuldtitel besonders armer Länder auf. Der Schuldenregulierung entziehen derartige Spekulanten sich dann durch allerlei Tricks, meist durch eine Umschichtung der Schulden. Schließlich zieht der nominelle End-Besitzer der Titel vor ein passendes Gericht in Amerika oder Großbritannien, um entweder die ursprüngliche Schuld in voller Höhe einzuklagen oder sich ersatzweise am Eigentum armer Länder schadlos zu halten.

Der Präsident von Liberia, Ellen Johnson Sirleaf, suchte Ende Februar die Unterstützung britischer Parlamentarier. Er bat sie, sich für ein Gesetz zu verwenden, das ein Londoner Gerichtsurteil aus dem vergangen Jahr hätte blockieren können. Dieses hatte zugunsten amerikanischer Investoren entschieden, denen BBC vorwarf, den Entschuldungsprozess zu untergraben.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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