Die kurze Angabe am Ende dieses äußerst produktiven und unkonventionellen Buches stiftet den biographischen Zusammenhang: Der Autor Tamim Ansary wurde 1948 in Kabul geboren und wuchs in Afghanistan auf, aber seine Mutter war Amerikanerin finnisch-jüdischer Herkunft. Wie stark der Autor – bekannt geworden durch „West of Kabul, East of New York“ (2003) – jedoch von seinen afghanischen Wurzeln zehrt, zeigt sich am Ende seiner „Globalgeschichte aus islamischer Sicht“. Ansary geht anlässlich der Parlamentswahl nach Afghanistan, aber nicht in die Hauptstadt Kabul, sondern ins Dorf Paghman. Dort trifft er einen Einwohner mit Turban und Bart, den er sich beim besten Willen nicht in einer Wahlkabine vorstellen kann, und beschreibt, wie dieser Mann die Wahl erlebte: „Wissen Sie, da sind ein paar Städter mit Zetteln gekommen und haben uns erklärt, wie wir Zeichen auf diese Zettel machen sollen. Wir haben ihnen zugehört, denn sie sind von weit her gekommen und wir wollten nicht unhöflich sein. Aber wir haben diese Stadtleute nicht gebraucht, um zu wissen, wer unser Mann ist.“ Es ist Agha-i-Sayyaf. Er ist Teil der Familie, die seit den Tagen von Dost Mohammed hier lebt und für sie alle sorgt. „Jedes Jahr zum Ende des Ramadan schenkt er den Kindern Süßigkeiten und fragt nach unseren Problemen.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.