Ausgabe Dezember 2010

Global Player Brasilien: Wie weiter nach Lula?

Mit dem klaren Wahlsieg von Dilma Rousseff, die Präsident Luiz Inácio „Lula“ da Silva nach dem Ende seiner zweiten Amtszeit am 1. Januar als Staatschefin ablösen wird, stimmte Brasilien für politische Kontinuität. Darauf hatten die regierende Arbeiterpartei (PT) und der scheidende Amtsinhaber gesetzt, der für seinen sozialliberalen Kurs in Umfragen zuletzt Zustimmungsraten von 80 Prozent erzielte. Lula hatte im Wahlkampf sein ganzes Ansehen in die Waagschale geworfen, um die rechte Opposition in die Schranken zu weisen und seiner Wunschkandidatin zum Erfolg zu verhelfen.[1] Diese Richtungsentscheidung, die auch durch ein regelrechtes Anti-Dilma-Trommelfeuer der meinungsbildenden Massenmedien nicht verhindert werden konnte, ist jedoch nicht nur innenpolitisch, sondern auch außenpolitisch von erheblicher Relevanz.

Unter Lulas Ägide, die 2003 begonnen hatte, verdoppelte Brasiliens Ökonomie ihr durchschnittliches Wachstum auf rund fünf Prozent jährlich. Sie verkraftete auch die Weltfinanzkrise vom Herbst 2008 vergleichsweise gut und ging nach Angaben der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika (CEPAL) mit einer Wachstumsrate von voraussichtlich 7,6 Prozent (2010), einem Bruttoinlandsprodukt von 1600 Mrd. US-Dollar (2009) und einem Pro-Kopf-Einkommen von 8300 US-Dollar sogar gestärkt daraus hervor.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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