Ausgabe Januar 2010

Schwarz-gelber Ringelpietz

So viel Sturm und Drang, so viel jugendlicher Elan, ja so viel Rekordeifer war selten in der Geschichte der Bundesrepublik: Mit Franz Josef Jung stellt diese Regierung den Minister mit der kürzesten Amtszeit. „Ich habe die Entscheidung von Franz Josef Jung,“ verkündete stolz die Kanzlerin, „vom Amt des Bundesverteidigungs-, äh, vom Amt des Bundesarbeitsministers zurückzutreten, mit Respekt und Hochachtung zur Kenntnis genommen.“ Ein solches Erinnerungsvermögen verdient all unsere Anerkennung, wusste Frau Merkel doch noch, dass der Fall Jung gerade ein nagelneues Ministerium übernommen hatte.

Mit Jungs Nachfolger im Amt des Afghanistan-Ministers, einem wahrhaft jungen, unglaublich dynamischen und bis in die frisch geölten Haarspitzen gestylten Mann, konnte sogar erstmals ein echter Semantiker für die Regierung gewonnen werden: „In Teilen Afghanistans gibt es fraglos kriegsähnliche Zustände“, erklärte Karl-Theodor. Hatte der alte Afghanistan-Minister immer nur was von „Einsatz“ gemurmelt, konnte der neue Mann, mit einem Satz, die Lage in den deutschen Aufbaugebieten entscheidend ändern: Karl-Theodor sieht Zustände, wo andere solche kriegen.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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