Ausgabe März 2010

Antiideologisch denken

Politik sollte nicht auf eine Entscheidung über Details oder gar die Exekution eherner Sachzwänge reduziert werden. Das Lebenselement echter Politik ist es vielmehr, menschliches Zusammenleben tatsächlich zu gestalten. Ohne Kühnheit im Denken geht das nicht.

Diese Art von Politik setzt voraus, dass auch ihr geistiger Entwurf groß dimensioniert ist. Beim Lesen des neuen Buches von Edelbert Richter, „Die Linke im Epochenumbruch“, fiel mir zuerst auf, dass dort eben jene, auch von mir lange verschmähte, Behandlung großer Fragen wieder stattfindet. Richter ist ein eminent politisch denkender Mensch mit dem Willen zur Gestaltung der Welt, wie auch sein politischer Lebensweg vor, in und nach den umstürzenden Ereignissen von 1989 belegt.

Promovierter Theologe und Philosoph, engagierte sich Edelbert Richter seit den 70er Jahren in regimekritischen Gruppen und in der Friedens- und Ökologiebewegung gegen das SED-Regime. Im August 1989 wurde er Mitbegründer des „Demokratischen Aufbruch“, trat aber im Januar 1990 in die SPD über. Nachdem er für die SPD Mitglied der letzten Volkskammer der DDR, von 1991 bis 1994 Abgeordneter im Europäischen Parlament und von 1994 bis 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages gewesen war, trat er 2005 aus der Partei aus und engagiert sich seither bei Attac und in der Linkspartei.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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