Ausgabe März 2010

Antiideologisch denken

Politik sollte nicht auf eine Entscheidung über Details oder gar die Exekution eherner Sachzwänge reduziert werden. Das Lebenselement echter Politik ist es vielmehr, menschliches Zusammenleben tatsächlich zu gestalten. Ohne Kühnheit im Denken geht das nicht.

Diese Art von Politik setzt voraus, dass auch ihr geistiger Entwurf groß dimensioniert ist. Beim Lesen des neuen Buches von Edelbert Richter, „Die Linke im Epochenumbruch“, fiel mir zuerst auf, dass dort eben jene, auch von mir lange verschmähte, Behandlung großer Fragen wieder stattfindet. Richter ist ein eminent politisch denkender Mensch mit dem Willen zur Gestaltung der Welt, wie auch sein politischer Lebensweg vor, in und nach den umstürzenden Ereignissen von 1989 belegt.

Promovierter Theologe und Philosoph, engagierte sich Edelbert Richter seit den 70er Jahren in regimekritischen Gruppen und in der Friedens- und Ökologiebewegung gegen das SED-Regime. Im August 1989 wurde er Mitbegründer des „Demokratischen Aufbruch“, trat aber im Januar 1990 in die SPD über. Nachdem er für die SPD Mitglied der letzten Volkskammer der DDR, von 1991 bis 1994 Abgeordneter im Europäischen Parlament und von 1994 bis 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages gewesen war, trat er 2005 aus der Partei aus und engagiert sich seither bei Attac und in der Linkspartei.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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