Ausgabe Oktober 2010

Im Strudel der Erinnerung

Am 24. Oktober wird Christa Wolf in Lübeck den Thomas-Mann-Preis in Empfang nehmen – „für den tiefen moralischen Ernst und die erzählerische Kraft“, die ihr Werk auszeichneten, so die Begründung der Jury.

Ernst ist auch das jüngste Buch von Christa Wolf. Ja, mehr noch: Es ist ein trauriges Buch, ein schwieriges zudem. Und dennoch kann man nicht davon lassen, muss immer weiterlesen. Allerdings fühlt sich der Leser zu Beginn, obwohl der komplizierte Titel alle Möglichkeiten eröffnet, doch ein wenig irregeführt, denn das Wort „Roman“ erscheint lediglich auf der Rückseite des Umschlags. Dort heißt es: „Der neue große Roman von Christa Wolf ‚Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud’ spiegelt das Leben der Autorin, wie ‚Kindheitsmuster’ immer wieder verbunden mit entscheidenden Momenten deutscher Geschichte.“

Auch das einführende Zitat aus Walter Benjamins „Ausgraben und Erinnern“ – „So müssen wahrhafte Erinnerungen viel weniger berichtend verfahren als genau den Ort bezeichnen, an dem der Forscher ihrer habhaft wurde“ – lässt eher Lebenserinnerungen als einen Roman erwarten.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juli 2020

In der Juli-Ausgabe beleuchten der Historiker Ibram X. Kendi und die Soziologin Keeanga-Yamahtta Taylor die lange Tradition rassistischer Gewalt in den USA – und zeigen Wege aus dem amerikanischen Albtraum auf. Der Soziologe Gary Younge und der Journalist Marvin Oppong richten den Blick auf den Rassismus und die Polizeigewalt in Europa. Der Journalist Michael Pollan legt die brutale Effizienz der Lebensmittelindustrie offen – die uns alle buchstäblich krank macht. Und »Blätter«-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert den steilen Aufstieg Markus Söders inmitten der Coronakrise - und dessen Chancen, nächster Bundeskanzler zu werden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema