Ausgabe September 2010

Der Mythos der jüdischen Nation

 

Der Versuch eines internationalen Schiffskonvois, die israelische Blockade Gazas zu durchbrechen – der den Tod von neun Aktivisten durch offenbar überforderte israelische Soldaten zur Folge hatte –, belebte auch in Deutschland die Debatte um die Haltung zur Politik israelischer Regierungen aufs Neue.

Das ging soweit, dass der deutsche Bundestag kürzlich eine von allen im Parlament vertretenen Parteien getragene Resolution verabschiedete, die zwar einerseits Existenzrecht und Sicherheitsbelange Israels bestätigte, sich doch aber ebenso unmissverständlich für die Aufhebung der Blockade Gazas aussprach. Im gleichen Zug führt auch die deutsche Öffentlichkeit die Debatte fort, befeinden sich auf Seiten der Linken „Antideutsche“ und „Antiimperialisten“ – die einen treten für eine bedingungslose Solidarität mit der israelischen Politik ein, die anderen für eine bedingte Solidarität auch mit radikalen Islamisten.

In dieser Lage sind engagierte, aber auch nüchterne Informationen unerlässlich. Zu empfehlen sind daher zwei Bücher, von denen das eine, nachdem es wochenlang auf israelischen Bestsellerlisten stand, schon in Frankreich Furore machte und kürzlich auf Deutsch erschienen ist.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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