Ausgabe September 2010

Der Mythos der jüdischen Nation

 

Der Versuch eines internationalen Schiffskonvois, die israelische Blockade Gazas zu durchbrechen – der den Tod von neun Aktivisten durch offenbar überforderte israelische Soldaten zur Folge hatte –, belebte auch in Deutschland die Debatte um die Haltung zur Politik israelischer Regierungen aufs Neue.

Das ging soweit, dass der deutsche Bundestag kürzlich eine von allen im Parlament vertretenen Parteien getragene Resolution verabschiedete, die zwar einerseits Existenzrecht und Sicherheitsbelange Israels bestätigte, sich doch aber ebenso unmissverständlich für die Aufhebung der Blockade Gazas aussprach. Im gleichen Zug führt auch die deutsche Öffentlichkeit die Debatte fort, befeinden sich auf Seiten der Linken „Antideutsche“ und „Antiimperialisten“ – die einen treten für eine bedingungslose Solidarität mit der israelischen Politik ein, die anderen für eine bedingte Solidarität auch mit radikalen Islamisten.

In dieser Lage sind engagierte, aber auch nüchterne Informationen unerlässlich. Zu empfehlen sind daher zwei Bücher, von denen das eine, nachdem es wochenlang auf israelischen Bestsellerlisten stand, schon in Frankreich Furore machte und kürzlich auf Deutsch erschienen ist.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Flagge der DDR

Bild: Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR?

Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR?

von Micha Brumlik

Der Anschlag auf die Synagoge in Halle am 9. Oktober war nicht nur eine allgemeine Spätfolge des okzidentalen Judenhasses sowie des deutschen Nationalsozialismus, sondern auch ein Resultat der politischen Kultur der untergegangenen DDR.

Bild: Quinn Buffing / Unsplash

Der Wille zum Töten

von Klaus Theweleit

Vor 40 Jahren veröffentlichte Klaus Theweleit den ersten Band von »Männerphantasien« und machte damit sofort Furore.

Bild: imago images / snapshot

Das Fanal von Halle: Der neue, alte Antisemitismus

von Christian Bangel

Mit den Morden von Halle hat der Judenhass in Deutschland ein neues Fanal gesetzt. Nun kann man hoffen, dass die Tat Wirkung zeigt, dass sie so etwas wie eine Selbstüberprüfung der gesellschaftlichen Mitte auslöst. Doch bisher deutet wenig darauf hin.