Ausgabe April 2011

Eine reanimierte Sozialdemokratie

Nun ist es endlich erschienen, das neueste und gleichzeitig letzte Buch Tony Judts, der am 6. August 2010 verstorben ist. Bereits die Entstehung dieses Buches ist anrührend, fiel sie doch in eine Zeit, da der Autor bereits an einer unheilbaren Nervenkrankheit litt, die immer mehr Körperteile lähmte. Bewegungsunfähig, auf ein Beatmungsgerät angewiesen, diktierte er das Manuskript. Ausgangspunkt war seine letzte große Vorlesung,[1] herausgekommen ist ein Buch der moralischen Unruhe und der Empörung, das bereits im Zeitpunkt seiner Genese den Trend der Zeit vorwegnahm.

Nach 20 vergeudeten Jahren schwebte dem bekennenden Sozialdemokraten, der ein inspirierender Hochschullehrer war, eine Orientierungshilfe vor allem für junge Leute vor, die keine andere Welt kennen und „Einwände gegen unsere Lebensweise artikulieren wollen. Als Bürger einer freien Gesellschaft haben wir die Pflicht, die Welt mit kritischen Augen zu betrachten. Und wenn wir sehen, dass etwas nicht in Ordnung ist, müssen wir handeln.“ In diesen Zeilen wird seine Position als die eines Westeuropäers kenntlich, der in den USA arbeitete und sich mit den Spielarten der Demokratie diesseits und jenseits des Atlantiks identifizierte und diese verbessern wollte. Für ihn gewann der Westen den Kalten Krieg – und verlor den Frieden.

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Politik als Gewinnspiel: Wetten auf Krieg und Frieden

von Sonja Peteranderl

Über Monate hinweg beobachteten US-Geheimdienste jede Bewegung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Am 3. Januar gab US-Präsident Donald Trump schließlich grünes Licht für die »Operation Absolute Resolve«.

Blackout: Die imperiale Lebensweise lässt sich nicht »abschalten«

von Ulrich Brand, Markus Wissen

Fünf lange Tage waren zehntausende Haushalte und mehr als 2000 Unternehmen bei eisigen Temperaturen im Berliner Südwesten Anfang Januar ohne Strom und ohne Heizung. Ausgelöst wurde der Stromausfall durch einen Brandanschlag auf eine wichtige, oberirdisch verlaufende Kabelbrücke des Berliner Stromnetzes.