Ausgabe April 2011

Eine reanimierte Sozialdemokratie

Nun ist es endlich erschienen, das neueste und gleichzeitig letzte Buch Tony Judts, der am 6. August 2010 verstorben ist. Bereits die Entstehung dieses Buches ist anrührend, fiel sie doch in eine Zeit, da der Autor bereits an einer unheilbaren Nervenkrankheit litt, die immer mehr Körperteile lähmte. Bewegungsunfähig, auf ein Beatmungsgerät angewiesen, diktierte er das Manuskript. Ausgangspunkt war seine letzte große Vorlesung,[1] herausgekommen ist ein Buch der moralischen Unruhe und der Empörung, das bereits im Zeitpunkt seiner Genese den Trend der Zeit vorwegnahm.

Nach 20 vergeudeten Jahren schwebte dem bekennenden Sozialdemokraten, der ein inspirierender Hochschullehrer war, eine Orientierungshilfe vor allem für junge Leute vor, die keine andere Welt kennen und „Einwände gegen unsere Lebensweise artikulieren wollen. Als Bürger einer freien Gesellschaft haben wir die Pflicht, die Welt mit kritischen Augen zu betrachten. Und wenn wir sehen, dass etwas nicht in Ordnung ist, müssen wir handeln.“ In diesen Zeilen wird seine Position als die eines Westeuropäers kenntlich, der in den USA arbeitete und sich mit den Spielarten der Demokratie diesseits und jenseits des Atlantiks identifizierte und diese verbessern wollte. Für ihn gewann der Westen den Kalten Krieg – und verlor den Frieden.

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In der Augustausgabe beleuchtet Masha Gessen die clanartigen Strukturen von Trumps Mafia-Staat. Michael Tomasky sieht den designierten Präsidentschaftskandidaten Joe Biden auf dem Weg nach links – und erkennt bei dem US-Demokraten gar rooseveltsche Ambitionen. Wieslaw Jurczenko analysiert die Ursachen des Wirecard-Desasters und damit das Totalversagen der deutschen Finanzaufsicht. Raul Zelik fordert, die Eigentumsverhältnisse wieder in den Blick zu nehmen, um so den Sozialismusbegriff wiederzubeleben. Und Klaus Vieweg befreit Hegel, der vor knapp 250 Jahren geboren wurde, vom Totalitarismusverdacht.

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