Ausgabe Februar 2011

Die schöpferische Kraft des Subjektiven

Seit langem schon, lange vor den diversen französischen Protest- und Aufstandsmanifesten, ist der irische Politikwissenschaftler John Holloway in theoretisch interessierten Kreisen weit mehr als ein Geheimtipp. Mit „Kapitalismus aufbrechen“ knüpft er nun an sein 2002 erschienenes, bereits in vierter Auflage vorliegendes Buch „Die Welt verändern, ohne die Macht zu übernehmen“ an. Schon in diesem steht das „kritisch revolutionäre Subjekt“ nicht als definiertes „Wer“, sondern „als undefinierbares, anti-definitionsbestimmtes Was“ im Vordergrund, das sich gegen Unterordnung auflehnt.

Es gibt keinen Grund, so Holloway, den Schrei der Auflehnung auf eine Gruppe von Menschen zu reduzieren. Dieser „Schrei gegen“ etwas, gegen Ausbeutung und Entmenschlichung, ist eine Schlüsselkategorie seines Denken. Auflehnung wiederum erweist sich als zentraler Bestandteil der Alltagserfahrung und kann als gruppen-, schichten- oder klassenübergreifender Aspekt der Nicht-Unterordnung verstanden werden – wie auch als Bestandteil „kreativer Macht“, einer weiteren Schlüsselkategorie Holloways.

„Die Menschenwürde ist unsere Waffe gegen eine Welt der Zerstörung“, heißt es in „Kapitalismus aufbrechen“.

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Im Zeitalter der Verwüstung

von Mathias Greffrath

2019 war das Jahr, in dem kein Tag verging, ohne neue Klimakatastrophenmeldungen: Brandherde in Bolivien, so groß wie zwei Bundesländer, gestorbene Gletscher auf Island, Dürre im Sudan, tausende Hitzetote in Europa, 700 Millionen Euro Ernteschäden in Deutschland, Venedig unter Wasser wie lange nicht, und immer dramatischere Zahlen.

Mythos Erhard: Die Legende vom deutschen Wirtschaftswunder

von Ulrike Herrmann

Vor bald 75 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende. Danach soll Westdeutschland, so will es die Legende, ein einzigartiges „Wirtschaftswunder“ erlebt haben, das allein der Währungsreform zu verdanken sei. Und wie in jedem Märchen gibt es dabei auch einen Helden: Ludwig Erhard. Selbst Grüne lassen sich inzwischen mit seinem Konterfei abbilden.