Ausgabe Juli 2011

Der deutsch-amerikanische Bindestrich

Eine Lektion in Multi-Kulti aus der Geschichte der USA

Ob German- oder Italian-, Asian- oder African-Americans: In den Vereinigten Staaten ist der Bindestrich, früher ein Schimpfwort, nachgerade zu einem Zeichen der Distinktion geworden – vor allem bei denjenigen Gruppen, bei denen wir heute eher von „symbolischer Ethnizität“, ohne sprachliche und institutionelle Strukturen, sprechen. Hier haben Gesellschaft und Staat Multikulturalismus auf einem flachen Niveau anerkannt, und gleichzeitig haben sich die USA damit von der ehemals überaus starken Betonung des angelsächsischen Erbes etwas fortbewegt.

In Deutschland dagegen, wo das „germanische Erbe“ als mögliches Äquivalent durch den Nationalsozialismus anrüchig geworden und heute nicht mehr tragfähig ist, hat man sich auf die „christlich-abendländische“ und neuerdings auch auf die „christlich-jüdische“ Leitkultur verständigt. All das findet in einem Kontext der Renationalisierung statt, zu dem nicht nur die Probleme auf europäischer Ebene, sondern auch die relativ massive Einwanderung beigetragen haben. Hier könnten sich in Zukunft die Konflikte noch zuspitzen, etwa zwischen Deutschen und „deutschen Türken“ (aber auch zwischen afrikanischen Migranten). Bereits heute werden Menschen mit türkischem Migrationshintergrund durch Interventionen türkischer Politiker, etwa des Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, in erhebliche Loyalitätskonflikte gebracht.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema