Ausgabe Mai 2011

Mythos German Angst

Zum neuesten Aufguss einer alten Denunziation der Umweltbewegung

Keine zwei Monate sind seit der Atomkatastrophe von Fukushima vergangen – und längst machen jene wieder mobil, die in der Anti-AKW-Bewegung nur eine Form der Hysterie sehen wollen. Dieser Vorwurf ist fast so alt wie die neue Umweltbewegung selbst. Diese setzte auf dem ganzen Planeten zu Beginn der 1970er Jahre ein. Alsbald hieß es, am Anfang des neuen Umweltbewusstseins habe die Angst, die traumatische Erfahrung oder – in der Sprache der Kritiker – die Hysterie gestanden. So will etwa Jost Hermand in dem „Doomsday-Schock von 1972“, der Club-of-Rome-Studie „Grenzen des Wachstums“, den Urknall des neuen Umweltbewusstseins erkennen.[1] Diese These wird jedoch schon durch die Chronologie der Ereignisse widerlegt: Der Umweltboom begann eindeutig Jahre davor; erst auf den Wogen dieser neuen Strömung konnte diese Studie zum Welt-Bestseller werden.

Um den Vorwurf der German Angst zu entkräften, lohnt es sich daher, an die Anfänge der Anti-Atombewegung zu erinnern. Diese nämlich waren weder German noch angstgeleitet.

In den USA waren die Risiken der Kerntechnik bereits ein Thema der „ökologischen Revolution“ um 1970: zu einer Zeit, als sie in der Bundesrepublik, der künftigen Hochburg der Kernkraftgegner, in aller Regel noch in der Regionalpresse vergraben waren und in den Augen der meisten Intellektuellen etwas Hinterwäldlerisches besaßen.

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