Ausgabe November 2011

Erleuchtung im Parlament?

Die Rede Papst Benedikts XVI. vor dem Parlament hat den Chor des Bundestages, bestehend aus den meisten Abgeordneten, ein großes „Halleluja“ anstimmen lassen. Ob aber all jene, die in diesen Lobgesang eilfertig einstimmten, wirklich hörten, was da vor dem „Hohen Haus“ der Demokratie gesagt wurde, ist zu bezweifeln, denn es hat eben nicht „nur“ ein Theologie-Professor oder ein Professor der Rechtsphilosophie gesprochen. Gesprochen hat der Papst, der „Stellvertreter Gottes auf Erden“, der aufgrund des Jurisdiktionsprimats für sich Unfehlbarkeit beansprucht und in dessen Botschaft weit mehr liegt als nur „nachdenkliche“ oder „anspruchsvolle“ Worte. Seine Rede hat – es ließe sich sagen: im Stil des „uneigentlichen Sprechens“ eines Pius XII. – einen klaren inhaltlichen Kurs, bei dem, wenn vom „Öffnen der Fenster“ die Rede ist, um „Licht“ herein zu lassen, saubere Luft eine viel geringere Rolle spielt, als es der Verweis auf die ökologische Bewegung zunächst suggeriert. Was also hat der Stellvertreter Christi auf Erden „in Wahrheit“ oder bei „Licht“ besehen – zwei Größen, deren richtige Auslegung ein Papst seit Pius IX.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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