Ausgabe November 2011

Erleuchtung im Parlament?

Die Rede Papst Benedikts XVI. vor dem Parlament hat den Chor des Bundestages, bestehend aus den meisten Abgeordneten, ein großes „Halleluja“ anstimmen lassen. Ob aber all jene, die in diesen Lobgesang eilfertig einstimmten, wirklich hörten, was da vor dem „Hohen Haus“ der Demokratie gesagt wurde, ist zu bezweifeln, denn es hat eben nicht „nur“ ein Theologie-Professor oder ein Professor der Rechtsphilosophie gesprochen. Gesprochen hat der Papst, der „Stellvertreter Gottes auf Erden“, der aufgrund des Jurisdiktionsprimats für sich Unfehlbarkeit beansprucht und in dessen Botschaft weit mehr liegt als nur „nachdenkliche“ oder „anspruchsvolle“ Worte. Seine Rede hat – es ließe sich sagen: im Stil des „uneigentlichen Sprechens“ eines Pius XII. – einen klaren inhaltlichen Kurs, bei dem, wenn vom „Öffnen der Fenster“ die Rede ist, um „Licht“ herein zu lassen, saubere Luft eine viel geringere Rolle spielt, als es der Verweis auf die ökologische Bewegung zunächst suggeriert. Was also hat der Stellvertreter Christi auf Erden „in Wahrheit“ oder bei „Licht“ besehen – zwei Größen, deren richtige Auslegung ein Papst seit Pius IX.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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