Ausgabe März 2012

China: Stabil durch Revolten

Jeder neue Protest in China nährt im Westen die Hoffnung, dieser könne zum Ende des autoritären Regimes in Beijing beitragen – vor allem wenn ein Protest so konfrontativ verläuft wie der in Wukan, einem Küstendorf mit rund 12 000 Einwohnern in der südchinesischen Provinz Guangdong. Dabei übersehen die Kommentatoren jedoch meist die eigentlichen Absichten der Protestierenden und unterschätzen die Anpassungsleistungen des Einparteienstaates.

Anfang September 2011 bemerkten Bewohnerinnen und Bewohner in Wukan Fremde, die auf einem Stück Land arbeiteten, das zum Dorf gehörte. Bis heute ist unklar, wie groß das Stück war, das das Dorfkomitee dem chinesischen Immobiliengiganten Country Garden Group verkauft hatte, aber es war nicht das erste Mal – insgesamt sollen im Laufe der Jahre 80 Prozent des kollektiven Agrarlandes veräußert worden sein. Bisher hatten die hauptsächlich vom Fischfang lebenden Bewohner dies hingenommen. Aus dem Perlflussdelta zurückgekehrte Wanderarbeiter hatten jedoch die Erkenntnis mitgebracht, dass das Land nicht der Partei, sondern „dem Kollektiv“ gehörte. Und so organisierten sie eine gemeinsame Petition gegen den Verkauf, die allerdings ohne Antwort blieb.

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In der Mai-Ausgabe analysiert der Historiker Adam Tooze das radikal Neue der Coronakrise, deren ökonomische Folgen uns noch auf Jahrzehnte beschäftigen werden. Die Politikwissenschaftler Kurt M. Campbell und Rush Doshi zeigen, wie sich China im Kampf gegen die Pandemie als neue globale Führungsmacht positioniert – vor allem gegen die USA. Der Historiker Yuval Noah Harari mahnt, dass wir Herausforderungen wie Covid-19 nur in globaler Kooperation bewältigen können. „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke erörtert, wie sich die Demokratie gegen den Ausnahmezustand bewähren kann – und muss. Und Simone Schlindwein, Ellen Ehmke, Jessé Souza sowie Franziska Fluhr widmen sich den Folgen der Coronakrise für den globalen Süden.

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