Ausgabe März 2012

Konstruktive Zivilisationskritik

Wenn wir es mit der gegenwärtigen „grünen Wende“ tatsächlich ernst meinen, dann können wir an eine Gegebenheit der deutschen Geschichte anknüpfen, die vielen heute recht ferngerückt scheint oder der sie sich nur mit Scheu nähern: die Tradition der romantischen Zivilisationskritik. Sie ist immer wieder als spezifisch deutsch empfunden und kategorisiert worden, etwa von Ernst Troeltsch, Thomas Mann oder Friedrich Meinecke, aber auch in Frankreich. Die begreifliche Scheu vor ihr rührt daher, dass sie nicht schöngeistiges Pendant zur Moderne geblieben ist, sondern in einem bestimmten Konservatismus und schließlich im Nationalsozialismus eine höchst fragwürdige politische Verwirklichung gefunden hat. Wir können an sie daher nur im Widerspruch anknüpfen, aber leugnen und verdrängen können wir sie nicht, denn zu unserer Identität gehört auch unsere Schuld.

In der dominierenden deutschen Überlieferung hatte die Natur schon vor der Zeit der Romantik einen höheren Stellenwert als in der damals vorherrschenden angelsächsischen Tradition. Das hängt wahrscheinlich mit ihrer jeweils unterschiedlichen konfessionellen Prägung zusammen.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema