Ausgabe März 2012

Konstruktive Zivilisationskritik

Wenn wir es mit der gegenwärtigen „grünen Wende“ tatsächlich ernst meinen, dann können wir an eine Gegebenheit der deutschen Geschichte anknüpfen, die vielen heute recht ferngerückt scheint oder der sie sich nur mit Scheu nähern: die Tradition der romantischen Zivilisationskritik. Sie ist immer wieder als spezifisch deutsch empfunden und kategorisiert worden, etwa von Ernst Troeltsch, Thomas Mann oder Friedrich Meinecke, aber auch in Frankreich. Die begreifliche Scheu vor ihr rührt daher, dass sie nicht schöngeistiges Pendant zur Moderne geblieben ist, sondern in einem bestimmten Konservatismus und schließlich im Nationalsozialismus eine höchst fragwürdige politische Verwirklichung gefunden hat. Wir können an sie daher nur im Widerspruch anknüpfen, aber leugnen und verdrängen können wir sie nicht, denn zu unserer Identität gehört auch unsere Schuld.

In der dominierenden deutschen Überlieferung hatte die Natur schon vor der Zeit der Romantik einen höheren Stellenwert als in der damals vorherrschenden angelsächsischen Tradition. Das hängt wahrscheinlich mit ihrer jeweils unterschiedlichen konfessionellen Prägung zusammen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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