Ausgabe März 2012

Konstruktive Zivilisationskritik

Wenn wir es mit der gegenwärtigen „grünen Wende“ tatsächlich ernst meinen, dann können wir an eine Gegebenheit der deutschen Geschichte anknüpfen, die vielen heute recht ferngerückt scheint oder der sie sich nur mit Scheu nähern: die Tradition der romantischen Zivilisationskritik. Sie ist immer wieder als spezifisch deutsch empfunden und kategorisiert worden, etwa von Ernst Troeltsch, Thomas Mann oder Friedrich Meinecke, aber auch in Frankreich. Die begreifliche Scheu vor ihr rührt daher, dass sie nicht schöngeistiges Pendant zur Moderne geblieben ist, sondern in einem bestimmten Konservatismus und schließlich im Nationalsozialismus eine höchst fragwürdige politische Verwirklichung gefunden hat. Wir können an sie daher nur im Widerspruch anknüpfen, aber leugnen und verdrängen können wir sie nicht, denn zu unserer Identität gehört auch unsere Schuld.

In der dominierenden deutschen Überlieferung hatte die Natur schon vor der Zeit der Romantik einen höheren Stellenwert als in der damals vorherrschenden angelsächsischen Tradition. Das hängt wahrscheinlich mit ihrer jeweils unterschiedlichen konfessionellen Prägung zusammen.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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