Ausgabe Dezember 2013

»Hier bin ich Mensch, hier greif' ich ein«

Was Schriftsteller bewirken können - ein Erfahrungsbericht

Geist und Macht – ein oft und immer wieder kontrovers diskutiertes Thema. Lässt sich schreibend auf Politik und Gesellschaft Einfluss nehmen? Wenn es dabei um die Wirkung von Büchern geht, dann sollten eigentlich Leser darüber befinden. Denn Autoren neigen zwangsläufig, schon um ihre Schreibmotivation nicht zu verlieren, zu der Annahme von ziemlich großer Wichtigkeit ihres Tuns. In meinem Alter kann man sich langsam Ernüchterung leisten – mein Glauben an die Wirksamkeit von Literatur hält sich in überschaubaren Grenzen. Was nicht heißt, dass ich mich durch Befunde anderer nicht gern auch ermutigen lasse.

„Das Einzige, was Kunst kann, ist Sehnsucht wecken nach einem anderen Zustand der Welt. Und diese Sehnsucht ist revolutionär.“[1] So war Heiner Müller überzeugt, der selbst erfahren hatte, was es bedeutet, erst verboten, dann in Ost und West kulthaft verehrt und meistgespielt zu sein, um bei gewendeter Lage auch wieder angegriffen und denunziert zu werden.

Solange es Literatur gibt, so lange gibt es dieses utopische Potential einer menschlicheren Gesellschaft. Und so lange haben Mächtige sich vor Schriften gefürchtet, haben Zensoren eingesetzt, Ketzer inquisitorisch verfolgt. Bis hin zum barbarischen Bücherverbrennen durch die Nazis, beschämend bis heute. Auch Kurt Tucholskys Schriften gingen in den Flammen auf.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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