Ausgabe Juni 2013

Spiel und Kapital

50 Jahre Bundesliga auf allen Kanälen: Kein Sender, keine Zeitung, die nicht in schier endlosen Serien nostalgisch zurückschaute auf die Heroen unserer Kinderjahre – von Walter und Seeler, über Beckenbauer und Breitner, bis hin zu Reus und Götze.

Und ist der Fußball nicht tatsächlich immer auch ein Abbild unserer Gesellschaft? Immerhin steckt er voller gesellschaftlich relevanter Sprachbilder: Man kann ins Abseits geraten, die rote Karte gezeigt bekommen, ein Eigentor schießen und gefoult werden. Doch immer drehen sich die zu Metaphern geronnenen Fußballausdrücke um das Regelwerk, um das faire Spiel. Dabei sind die Regeln der Fairness höchstens noch auf dem Platz einzuhalten. Das zeigt nicht nur der Fall Uli Hoeneß, sondern die Geschichte der Bundesliga an sich.

Ihren Anfängen auf den Bolzplätzen etwa des Meidericher SV längst entwachsen, ist sie heute mit einem Umsatz von zwei Milliarden im Jahr ein immenser Wirtschaftsfaktor. Nicht zufällig tragen die großen Fußballstadien Namen von Konzernen: Die Münchner Fußball-Arena heißt mit Vornamen Allianz. Ein Unternehmen, das vor 1945 diverse NSDAP-Gliederungen versicherte und wohl deshalb problemlos jüdische Versicherungshäuser übernehmen konnte.

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Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

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