Ausgabe Mai 2013

Pathologisches Lernen: Zypern als Exempel

Das dilettantische Vorgehen der europäischen Eliten bei der „Rettung“ Zyperns hätte um Haaresbreite zu einer weiteren, dramatischen Zuspitzung der Eurokrise geführt. Sieht man davon – vorerst – einmal ab, kennzeichnen die neue Etappe jedoch auch mutige Tabubrüche. Insofern kann man durchaus von einem Lernprozess sprechen, wenn auch von einem pathologischen.

Völlig zu Recht hat die Eurogruppe entschieden, von dem derzeit geschätzten Gesamtvolumen von 20 Mrd. Euro „nur“ die Hälfte beizusteuern. Damit wird Zypern mit 10 Mrd. Euro beteiligt. Hier müssen – und werden endlich auch die Profiteure der Banken, die auch den Absturz zu verantworten haben, zur Kasse gebeten. Denn Zypern ist heute einer der europäischen Dreh- und Angelpunkte für ausländisches Kapital – speziell aus Russland, aber auch aus Deutschland und Großbritannien.

Zwar trägt die Insel mit ihren 3000 Unternehmen und einem Bruttoinlandsprodukt von knapp 30 Mrd. Euro nur 0,2 Prozent zur Eurowirtschaft bei. Doch mit günstigen Steuer- und Zinskonditionen wurde dort der Bankensektor über Jahre aufgebläht. Inzwischen übersteigt er (ausschließlich der ausländischen Banken) das Bruttoinlandsprodukt Zyperns um das Achtfache.

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