Ausgabe Mai 2013

Strohfeuer oder Wendepunkt?

Gewerkschaftliches Comeback in Zeiten der Krise

Bild: freeday / photocase.com

Die erste Hälfte des Jahres 2013 ist eine Zeit wichtiger Tarifauseinandersetzungen. Im öffentlichen Dienst, der Metall- und Elektroindustrie sowie der chemischen Industrie wird erneut über die Verteilung der ökonomischen Wertschöpfung zwischen Kapital und Arbeit gestritten. Noch vor einigen Jahren galt dabei als Gemeinplatz, dass die Gewerkschaften diese Verteilungskonflikte aus einer Position der politischen Schwäche führen. Die These von der strukturellen Defensive war nahezu Konsens in der deutschen und internationalen Forschung.[1] Doch dies scheint Vergangenheit: Ausgerechnet seit der großen Krise des Finanzmarktkapitalismus in den Jahren 2008 folgende und der existenziellen Bedrohung ganzer Industriesektoren häufen sich die Meldungen über ein Comeback der Gewerkschaften.

In der Tat spricht einiges für die Vermutung, dass die Gewerkschaften zurück sind: in der Politik als handlungsmächtige Akteure bei der Bearbeitung der Krise des Finanzmarktkapitalismus und in den Medien als eigentlich längst totgesagte Lobbyorganisationen. Diese neu gewonnene politische wie mediale Bedeutung basiert nicht zuletzt auf der einflussreichen Rolle der Gewerkschaften in der Krise.

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