Ausgabe Dezember 2014

Mafiastaat Mexiko

Tausende Bundespolizisten, Spürhunde und Reiterstaffeln durchkämmten in den letzten Oktobertagen den Norden des südmexikanischen Bundesstaates Guerrero, Hubschrauber und sogar Drohnen waren im Einsatz. Präsident Enrique Peña Nieto, so schien es, gab alles, um den Fall aufzuklären, der ihm in den letzten Wochen immer mehr zum Verhängnis geworden war: das Verschwinden von Dutzenden Studenten in der Stadt Iguala vier Wochen zuvor. Er werde alles dafür tun, dass ihre Söhne oder Brüder wieder aufgefunden werden, versicherte der Staatschef auf einem Treffen zwischen ihm und den Angehörigen der jungen Männer.

Nun haben drei mutmaßliche Täter angegeben, die Opfer getötet, verbrannt und die Asche weggeworfen zu haben. Doch die Väter, Mütter und Geschwister der Vermissten glauben kein Wort, solange nicht ein auf ihr Drängen eingeschaltetes argentinisches Forensikerteam wissenschaftliche Beweise liefert. Zu groß ist ihr Misstrauen gegenüber den Behörden. Ohnehin wissen die Angehörigen ganz genau: Wären sie nicht selbst auf die Straße gegangen und würde nicht dank ihres Einsatzes die ganze Welt auf das schreckliche Ereignis schauen, hätte Peña Nieto von der ehemaligen Staatspartei PRI (Partei der Institutionellen Revolution) nicht einen Finger gerührt, um das mutmaßliche Massaker aufzuklären.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema