Ausgabe Januar 2014

Die negierte Schuld

Wie Theodor Eschenburg die NS-Beamtenschaft rechtfertigt

In der Politikwissenschaft wird seit geraumer Zeit erbittert über Theodor Eschenburg gestritten, einen der Gründerväter der Zunft nach 1945.[1] Als Rektor der Universität Tübingen verschaffte Eschenburg dem jüdischen Philosophen – und Marxisten – Ernst Bloch nach dessen Verlassen der DDR eine Gastprofessur. Eschenburg hatte den Ruf eines liberalen, publizistisch einflussreichen Wissenschaftlers, der sich an der Ordnung des Grundgesetzes orientiert. Doch in den 30er Jahren war er selbst an der Arisierung eines jüdischen Unternehmens und damit an der Durchsetzung der NS-Herrschaft beteiligt. Das wurde durch Forschungen von Rainer Eisfeld bekannt, ebenso wie der Fakt, dass Eschenburg in jener Zeit auch eine Weile Mitglied der Motor-SS war. Durch die Erkenntnisse Eisfelds,[2] der sich bereits vor über 20 Jahren fragwürdigen Kontinuitäten der deutschen Politikwissenschaft gewidmet hat, erscheinen auch Theodor Eschenburgs Beiträge in der Wochenzeitung „Die Zeit“ in einem neuen Licht, insbesondere jene zur Rolle der Beamtenschaft im NS-System. Im Umgang mit dieser kommt indirekt auch Eschenburgs Umgang mit seiner eigenen Biographie und mit der Durchsetzung der NS-Herrschaft in einem Teilbereich des Hitler-Regimes zum Ausdruck.

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In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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