Ausgabe Januar 2014

Ernst Klees Vermächtnis

Sein letztes von über einem Dutzend Büchern hat der Journalist, Filmemacher und Historiker Ernst Klee buchstäblich dem Tode abgerungen. Es ist das Werk „Auschwitz – Täter, Gehilfen, Opfer und was aus ihnen wurde“ – ein Personenlexikon, an dem er bis kurz vor seinem Tod am 18. März 2013 arbeitete. Über seine Motivation, das Buch zu schreiben, sagte Klee in seiner trockenen, jedem Pathos abgeneigten Art in einem Interview gegenüber der „Neuen Zürcher Zeitung“: „Festzuhalten, was in diesem größten NS-Vernichtungslager Menschen geschehen ist“, sei „das Minimum“.

Klee, der gelernte Heizungstechniker, Theologe und Sozialpädagoge war als Historiker „ein produktiver Außenseiter“, wie Werner Renz vom Frankfurter Fritz-Bauer-Institut sagt. Seine ersten Arbeiten befassten sich mit gesellschaftlichen Randgruppen – Behinderten, seelisch Kranken, Gastarbeitern, Außenseitern, Obdachlosen, Alten, Pflegebedürftigen und Häftlingen. Diese Reportagen aus den frühen 70er Jahren etablierten sich schnell als Standardwerke.

Erst Anfang der 80er Jahre begann Klees Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus und mit der Ermordung von Tausenden von Behinderten unter dem euphemistischen Namen „Euthanasie“ oder der zynischen Parole „Vernichtung unwerten Lebens“.

Sie haben etwa 15% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 85% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema