Ausgabe Januar 2014

Wem gehört die Zeit?

Der Mensch im Takt des Kapitalismus

Bild: kallejipp / photocase.com

Das Gefühl, dass Zeit knapper wird oder – anders gesagt – schneller eilt, so dass die Menschen immer mehr in immer weniger Zeit erledigen müssen, ist ein Gefühl, das man heute bei vielen Gesprächspartnern abrufen kann. Dieses Gefühl paart sich nicht selten mit einer Form von Erschöpfung, die darauf zurückgeführt wird, dass die Einzelnen mit der rasenden Zeit nicht mehr mitkommen. Die Konjunktur von Burnout-Diagnosen ist dafür nur ein Beleg.

Wenn aber ein Gefühl so weit verbreitet ist, dann liegt es nah, nicht einfach dem Einzelnen ein besseres Zeitmanagement zu empfehlen, sondern nach überindividuellen Ursachen für solch eine Situation zu suchen. Das umso mehr, als man feststellen kann, dass die knappe Zeit und Klagen über die darob erschöpften Menschen keine Phänomene allein unserer Gegenwart sind, sondern weit in die Geschichte der europäischen Moderne zurückreichen.

Meines Erachtens verrät der Ursprung des modernen Zeitgefühls etwas über dessen Wesen. Es muss freilich nicht sein, dass der Anfang eines sozialen Phänomens dessen Wesen am deutlichsten spiegelt, aber wenn man die Transformation in den Blick nimmt, die das Zeitempfinden zwischen dem Mittelalter und der frühen Neuzeit durchlaufen hat, dann erkennt man nicht nur den Beginn des modernen, sondern auch die Andersheit des vormodernen Zeitempfindens.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (3.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Im Zeitalter der Verwüstung

von Mathias Greffrath

2019 war das Jahr, in dem kein Tag verging, ohne neue Klimakatastrophenmeldungen: Brandherde in Bolivien, so groß wie zwei Bundesländer, gestorbene Gletscher auf Island, Dürre im Sudan, tausende Hitzetote in Europa, 700 Millionen Euro Ernteschäden in Deutschland, Venedig unter Wasser wie lange nicht, und immer dramatischere Zahlen.

Mythos Erhard: Die Legende vom deutschen Wirtschaftswunder

von Ulrike Herrmann

Vor bald 75 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende. Danach soll Westdeutschland, so will es die Legende, ein einzigartiges „Wirtschaftswunder“ erlebt haben, das allein der Währungsreform zu verdanken sei. Und wie in jedem Märchen gibt es dabei auch einen Helden: Ludwig Erhard. Selbst Grüne lassen sich inzwischen mit seinem Konterfei abbilden.