Ausgabe Februar 2016

Al Qaida als Partner: Die fatale Taktik

Zu Beginn dieses Jahres richtete die saudi-arabische Führung 47 Regimegegner wegen angeblicher Terrortaten hin, darunter auch den hohen schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr. Die Exekutionen sorgten nicht „nur“ für eine anhaltende Großkrise zwischen Teheran und Riad, sondern sie werfen darüber hinaus die grundsätzliche Frage auf, wer derzeit eigentlich mit wem im Nahen Osten welche Bündnisse eingeht. Diese Frage betrifft keineswegs bloß die fatale Zusammenarbeit des Westens mit den wahhabitischen Hardlinern in Riad, sondern sie geht weit darüber hinaus. Tatsächlich kann man den Eindruck gewinnen, dass im derzeit alles dominierenden Kampf gegen den selbst ernannten „Islamischen Staat“ (IS) schier alles erlaubt ist – sogar immer häufiger „taktische Bündnisse“ mit Al Qaida.

Alles scheint erlaubt

Zum Beispiel im Jemen: 2014 begannen schiitische Huthis aus dem Norden des verarmten Landes einen Eroberungszug. Unterstützt wurden sie dabei von Anhängern des 2012 entmachteten Langzeit-Diktators Ali Abdallah Salih, und – jedenfalls nach Ansicht vieler arabischer Staats- und Regierungschefs – vom Iran. Die Führung um den gewählten jemenitischen Präsidenten, Abd Rabo Mansour Hadi, floh zunächst in die südjemenitische Hafenstadt Aden. Danach suchte sie Schutz im benachbarten Saudi-Arabien.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Bild: imago images / Hindustan Times

Modis Indien oder: Die Schriftstellerin als Staatsfeindin

von Arundhati Roy

Ich fühle mich sehr geehrt, die diesjährige „Arthur Miller Freedom to Write Lecture“ des PEN America halten zu dürfen. Hätten Arthur Miller und ich derselben Generation angehört und wäre ich US-Bürgerin gewesen, so wären wir uns wohl bei einer Vorladung vor das Komitee für unamerikanische Umtriebe in die Arme gelaufen.