Ausgabe Januar 2016

Der grüne Papst und der Irrweg des käuflichen Glücks

„Es gibt keine Ökologie ohne eine angemessene Anthropologie“.[1] So schreibt es Papst Franziskus in seiner jüngsten Enzyklika „Laudato si“. Umweltschutz setze eine bestimmte Vorstellung vom Menschen voraus.

Man könnte das für eine katholische Grille halten nach dem Motto: Die Kirche hatte immer schon präzisere Vorstellungen davon, wie die Menschen zu sein haben als davon, wie die außermenschliche Welt sich bewegt; deswegen redet sie von Ersterem, auch wenn es eigentlich um das Zweite geht. Noch böser könnte man vermuten, dass sich hier im Gewand der Umweltsorge die alte Vorstellung vom Menschen als der Krone der Schöpfung ausspricht: Letztlich definiert die Kirche das Problem der Ökologie vom Menschen her.

Aber da würde man den Papst dann doch zu einseitig auslegen. Als Hüter einer vormodernen Tradition kennt er noch die Alternativen zu den modernen Selbstverständlichkeiten. Tatsächlich hat sich mit dem Beginn der Neuzeit in Europa die Vorstellung vom Menschen und seiner Beziehung zur Welt fundamental verändert. Und der Papst hat durchaus recht, wenn er glaubt, dass diese Veränderung hoch bedeutsam ist – für unsere Art des Wirtschaftens und damit auch für unsere Umwelt.

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