Ausgabe September 2016

Helikoptergeld mit Ballonauftrieb

Leider sieht es so aus, als müssten wir Wirtschaftswissenschaftler langsam schon die Symposien für „Zehn Jahre Wirtschaftskrise“ vorbereiten. Schließlich legen die Zeithistoriker den Beginn der andauernden Großen Rezession gerne auf den August 2007. Das ist der Monat, als die Zinsen für Interbankkredite in die Höhe schossen, womit die Brüchigkeit des deregulierten Finanzsystems deutlich wurde. Und im Moment sieht es nicht so aus, als ob im Sommer 2017 die Malaise überwunden sein wird.

Kein Wunder also, dass jetzt auch unkonventionelle Lösungen diskutiert werden, die bisher eher den Status akademischer Glasperlenspiele hatten. Hochkonjunktur hat dabei die Idee eines Helikoptergeldes, das sogar EZB-Chef Mario Draghi als „sehr interessant“ bezeichnete – also die Verteilung einer großen Summe neu geschaffener Liquidität durch die Zentralbank entweder an den Staat oder sogar direkt an die Bürger.

Dabei wäre das Erste zwar eine prima Idee, um die marode öffentliche Infrastruktur und die unterfinanzierten Bereiche Bildung und Gesundheit wieder in Schuss zu bringen. Aber in der Eurozone ist es eben nur schwer, genauer: gar nicht mit den vermaledeiten Regeln einer schlecht konstruierten Währungsunion in Übereinstimmung zu bringen, die eine direkte Staatsfinanzierung verbieten.

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