Ausgabe April 2017

Syrien: Wider die Straflosigkeit

Zehntausende Menschen sind in den letzten Jahren in syrischen Gefängnissen misshandelt und gefoltert worden. Tausende überlebten diese Torturen nicht. Das belegten zuletzt der Bericht von Amnesty International zum Saydnaya-Gefängnis und die Aufnahmen des syrischen Militärfotografen unter dem Decknamen „Caesar“. Wie die Auswertung seiner Fotos eindringlich zeigt, steckt hinter der Folter ein hierarchisch organisiertes und durchstrukturiertes System.[1]

Systematische Folter und Massaker gehören schon seit mehreren Jahrzehnten zum Herrschaftssystem von Vater und Sohn Assad. Man denke etwa an das Massaker in der Sunniten-Hochburg Hama mit mindestens 20 000 Toten im Jahr 1982. Auch Gefängnisse wie Tadmor oder Saydnaya sind seit Jahrzehnten berüchtigt. Sie bilden allerdings nur die Spitze des Eisbergs.

Dennoch hat die westliche Öffentlichkeit lange weggesehen. Baschar al-Assad war ein Verbündeter im sogenannten Kampf gegen den Terror. Spätestens seit dem Arabischen Frühling, dem syrischen Aufbruch von 2011 und vor allem seit der gewaltsamen Reaktion der Assad-Regierung hat sich das geändert. Auf die massive Niederschlagung der Aufstände folgte eine Verhaftungs- und Folterwelle. Zudem setzte das Regime chemische Waffen ein, wie die UN dokumentiert hat, und bombardierte vor allem in Aleppo zivile Ziele.

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