Ausgabe Mai 2017

Tagträume der Gesellschaft

Piper Chapman, Tony Soprano und Walter White als Zeitdiagnostiker

Nicht nur weiße Polizeigewalt oder ein Tweet aus dem Trump Tower sorgen in den USA immer wieder für heftige Debatten über Rassismus – auch die Fernsehserie „Orange is the New Black“ löste bereits intensive Diskussionen aus. Wenn ab Juni die neuen Folgen auf dem Streamingdienst Netflix laufen, könnte die Debatte wieder aufflammen. Denn noch immer scheiden sich an deren vierter Staffel die Geister. Die Serie führt uns auf den Spuren von Piper Chapman, einer weißen, bisexuellen Frau aus der middle class, in ein Frauengefängnis im Bundesstaat New York. Zunächst wurde die Serie dafür gefeiert, dass sie einen Einblick in das komplexe Zusammenspiel von race, class und gender gewährt, das sicherte ihr ein junges, intellektuelles Publikum. Dann aber wurde in Internetforen und Online-Journalen der Vorwurf erhoben, die Macher von „Orange is the New Black“ würden neuerdings genau jene Ressentiments bedienen, die sie bisher strikt vermieden hatten. Obgleich hier Frauen im Zentrum der Erzählung stünden,[1] kehrten doch stereotype, bisweilen sogar rassistische Erzählmuster wieder, so die Kritik.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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