Ausgabe September 2017

Schicksalsfrage Feminismus

Der Kampf um die Selbstbehauptung

 Der Feminismus hat mein Leben verändert. Nicht nur im übertragenen Sinne. Das auch. Zunächst bescherte der Feminismus mir jedoch meinen glänzenden deutschen Pass. Na ja, meinen nicht mehr ganz so glänzenden Pass, weil ich ihn ständig mit mir herumtrage, um zu beweisen, dass ich wirklich ich bin.

Hier soll es nun um die deutsche Frauenbewegung vom Tomatenwurf[1] bis heute gehen und um die Frage, ob genügend Tomaten geflogen sind und wir heute Ketchup für alle haben. Aus diesem Grund wäre dieser Text beinahe nicht zustande gekommen. Wer bin ich, mir das anzumaßen?

Zum Glück habe ich meinen Pass, um diese Frage zu beantworten: Ich bin Deutsche. Weil die Frauenbewegung für das Recht meiner Mutter gekämpft hat, mir ihre Staatsangehörigkeit zu geben. Tatsächlich hat meine Mutter als Teil der Interessengemeinschaft der mit Ausländern verheirateten Frauen (IAF), als Teil der deutschen Frauenbewegung dafür gekämpft. 1974 stimmte ihnen das Bundesverfassungsgericht zu, dass es mit dem Grundsatz der Gleichberechtigung unvereinbar ist, wenn die Staatsangehörigkeit nur über den Vater vererbt wird. Am 1. Januar 1975 wurde das Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz geändert und am 28. Januar wurde ich Deutsche. Das war ein Dienstag.

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