Ausgabe Februar 2018

Gefährliche Schönheit: Die Ästhetik der Überwältigung

Bild: Public Domain

Ich komme aus einer Zeit, zu der es selbstverständlich war, Probleme mit der Schönheit zu haben. Zumal in Verbindung mit Kunst stand sie unter dem Verdacht, Missstände zu verharmlosen oder zu vertuschen und damit letztlich repressiv zu sein. Zumindest aber galt es als bieder, Schönheit zu reklamieren. „Die nicht mehr schönen Künste“ war die – genau im Jahr 1968 – zum Buchtitel gewordene Formel für mehr als nur eine Generation.[1] In dem „nicht mehr“ lag keinerlei kulturpessimistisches Bedauern, sondern viel eher die Genugtuung und Überzeugung, es handle sich um einen Fortschritt, endlich jegliche Fixierung auf Schönheit überwunden zu haben.

Als ich während meines Studiums zusammen mit einer Gaststudentin aus New York über ein Jahr hinweg – 1989/90 – Martin Heideggers Aufsatz „Der Ursprung des Kunstwerkes“ las und dabei herausgefordert war, der Nicht-Deutschen semantische Zwischentöne der Diktion sowie ideengeschichtliche Zusammenhänge zu erklären, diskutierten wir auch lange über die einzige Passage des Textes, in der es – zu meinem damaligen Missfallen sehr emphatisch – um Schönheit geht. Diese sei, so Heidegger, „eine Weise, wie Wahrheit als Unverborgenheit west“.[2] In Gestalt eines Kunstwerks erzeugt Schönheit also eine Evidenz, der sich niemand entziehen kann.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Donald Trump und die moderne Konterrevolution

von Bernard E. Harcourt

Mit einer Flut von Präsidialdekreten und Notstandserklärungen hat Donald Trump die Axt an den US-amerikanischen Regierungsapparat und die globale Ordnung gelegt. Er zerschlägt den Verwaltungsstaat, schließt Behörden und entlässt Bundesbedienstete.