Ausgabe März 2018

Die suggestive Kraft der Verschwörungstheorien

Spätestens seit den Anfängen des Mitmach-Internets beobachten wir in politischen Debatten eine Zunahme von Verschwörungstheorien. Zuweilen werden sie sogar von Staatschefs bemüht, um die eigene Politik zu rechtfertigen oder Gegner zu diskreditieren. Umgekehrt kann es ein Mittel der Diffamierung sein, jemanden als „Verschwörungstheoretiker“ zu betiteln. Der Begriff „Verschwörungstheorie“ ist „zu einem festen Bestandteil des alltäglichen gesellschaftlichen Diskurses geworden“, bilanziert denn auch Michael Butter in der Einleitung seines neuen Buches „Nichts ist, wie es scheint“. Doch seien mit dem Begriff auch einige Mythen verknüpft, die einem Verständnis des Phänomens im Wege stehen. Deshalb will Butter in seinem Buch eine tragfähige wissenschaftliche Definition des Begriffes prägen, aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema vorstellen und miteinander verknüpfen. Kurz: Er will Ordnung in die Sache bringen. Das gelingt ihm ausgezeichnet – was daran liegen mag, dass der Amerikanist und Literaturwissenschaftler schon seit einigen Jahren Verschwörungstheorien untersucht und ein transdisziplinäres europaweites Forschungsprojekt zum Thema leitet.

Die ersten drei Kapitel befassen sich mit dem Was, dem Wie und dem Warum von Verschwörungstheorien, das vierte mit ihrer Geschichte und das fünfte mit ihrer Gegenwart.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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