Ausgabe November 2018

Katholische Kirche: Missbrauch ohne Strafe?

Es kann nicht weitergehen wie immer, weder für die katholische Kirche noch für Staat und Öffentlichkeit, wenn all die Schockbeteuerungen ernst gemeint sein sollten. Dennoch sieht es so aus, als gewöhne man sich an die Zahlen aus Irland, Australien, den USA und Deutschland: Die Meldungen über tausendfach verübte sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen durch katholische Geistliche erschüttern die Öffentlichkeit zwar immer wieder aufs Neue, aber nur für kurze Zeit. Systematische Aufarbeitung und strukturelle Änderungen stehen nach wie vor aus.

Anfang September wurden Zahlen für Deutschland bekannt: In einer von der katholischen Kirche selbst in Auftrag gegebenen Studie ist von 3677 minderjährigen „Betroffenen“ und 1670 geistlichen „Beschuldigten“ die Rede, von Opfern und Tätern spricht die sogenannte MHG-Studie nicht.[1] Die dahinterstehenden Leidensgeschichten erzählen von missbrauchtem Vertrauen und doppelter Demütigung: durch die Taten und durch die Tatsache, dass die Kirche den Betroffenen nicht glaubte – oder die Taten vertuschte. Die aktenkundigen Anschuldigungen sind massiv. Käme weltliches Recht zur Geltung, wären es Straftaten. Doch angezeigt wurde nur in einem Drittel der Fälle, bestraft so gut wie nie.

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