Ausgabe Januar 2019

Wie viel Blut klebt an der Kunst?

Von der Dekolonisierung der Museen zur Dekolonisierung der Politik

Nicht schon mit dem Ende des deutschen Kaiserreichs, sondern erst mit dem offiziellen Ende des Ersten Weltkriegs durch den Versailler Vertrag endete auch die deutsche Kolonialherrschaft. Ein Jahrhundert danach ist im öffentlichen Diskurs der Bundesrepublik eine allmählich zunehmende Bereitschaft zu beobachten, sich mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands und deren Auswirkungen auf die gesellschaftliche Gegenwart dieses Landes auseinanderzusetzen. Dass die Debatte über den Kolonialismus nun an Fahrt gewinnt, hängt nicht zuletzt mit der Wiederkehr des Verdrängten in Form der Flucht- und Migrationsbewegungen nach Europa zusammen. Katalysatorische Wirkungen hatten zudem die langjährigen Bemühungen kolonialismuskritischer zivilgesellschaftlicher Initiativen, etwa um die Umbenennung von Straßen, die bis heute nach Kolonialverbrechern benannt sind. Gleiches gilt für die Klage von Herero-Repräsentanten gegen die Bundesrepublik vor einem New Yorker Gericht sowie der Streit um das Humboldt Forum im rekonstruierten Berliner Stadtschloss. 

Das noch im Entstehen begriffene Forum wirft dabei unabsichtlich die schwierige Frage auf, wie die preußisch-absolutistische Hülle mit der im Inneren geplanten Ausstellung der – ausschließlich außereuropäischen – ethnologischen Sammlungen überhaupt in eine Beziehung gesetzt werden kann, die nicht typische koloniale Diskurse und Denkmuster bedient.

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In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

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