Ausgabe Juli 2019

Eine Dystopie für unsere Zeit

Was passiert nach dem Weltuntergang? Das verhandelt hochaktuell der neue Roman des britischen Schriftstellers John Lanchester. In „Die Mauer“ reden die Überlebenden schamhaft vom „Wandel“, wenn sie jene Klimakatastrophe meinen, die die Welt verheert hat. Sie ist ein Ereignis, von dem man lieber nicht spricht. Nur die Älteren erinnern sich noch an die Zeiten vor der großen Katastrophe. Sie teilen mit den nachgeborenen Jungen die unangenehme Erkenntnis, dass der „Wandel“ keineswegs ein Ereignis aus der Vergangenheit ist, sondern immer noch andauert. Mit der Menschheit geht es weiter bergab, es wird ein böses Ende nehmen. Das Weltklima ist bereits komplett gekippt, das Meer hat das Festland weithin verschlungen, Kontinentaleuropa ist versunken. Der Planet ist weithin unbewohnbar geworden. Die Überlebenden sind auf der Flucht, hin zu den wenigen noch bewohnbaren Fleckchen Erde. Ein weltweiter Kampf ums nackte Überleben ist entbrannt: Wer noch Boden unter den Füssen hat, wehrt sich mit allen Mitteln gegen den Zustrom der Verzweifelten. Das gilt auch für Großbritannien, wo die Handlung angesiedelt ist: Was von den britischen Inseln übrig blieb, wurde befestigt – mit Hilfe einer Mauer, die die gesamte Küstenlinie umschließt, 10 000 Kilometer lang. Diese Mauer, der Traum der Trumpisten aller Länder, muss bewacht werden, rund um die Uhr.

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