Ausgabe März 2019

Die neue große Transformation

Bild: Suhrkamp

Vor 70 Jahren erschien eines der wichtigsten Bücher des vergangenen Jahrhunderts: „The Great Transformation“. Geschrieben wurde es von Karl Polanyi, einem der einflussreichsten Sozialwissenschaftler unserer Epoche. Bereits heute gilt das Werk als einer der Klassiker des 20. Jahrhunderts, vor allem aber hat es bis heute nichts an Aktualität verloren. Spätestens mit der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise avancierte Polanyi zu einem unverzichtbaren Bezugspunkt auch in der breiten öffentlichen Diskussion. Sehr viele, die dem neoliberalen Projekt sowie der antiliberalen Rechten kritisch gegenüberstehen, orientieren sich an seinen Schriften. So griff der Wissenschaftliche Beirat der deutschen Bundesregierung Globale Umweltveränderungen explizit auf Polanyis Arbeiten zurück, um die Forderung eines neuen „Gesellschaftsvertrags für eine Große Transformation“ zur Begrenzung des Klimawandels zu stützen. Es war nicht zufällig, dass der UNCTAD-Handels und Entwicklungsbericht die aktuelle Situation „Polanyi-Periode“ taufte. Eine zunehmende Zahl von Konferenzen beschäftigt sich mit Karl Polanyis Analysen. Im Mai 2018 wurde in Wien die International Karl Polanyi Society gegründet.

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Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

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