Ausgabe Mai 2019

Die EU als Lebensversicherung

Globale Aufrüstung und die Selbstbehauptung Europas

Bild: imago images / Christian Ohde

Für wenigstens zwei Generationen war der „Westen“ mit dem Kern der Nato in normativer wie operativer Hinsicht das außenpolitische Hauptmotiv der westeuropäischen Staaten und ihr eigentlicher Sicherheitsgarant. Heute stehen wir am Ende dieser internationalen Ordnung, die geprägt und getragen wurde von der Hegemonialmacht USA. Wenn diese Ordnung auch durch die Ost-West-Konfrontation gebrochen war, war sie dennoch wahrhaft globaler Natur. Paradebeispiele sind die Welthandelsorganisation (WTO) und der Nichtverbreitungsvertrag (NPT), amerikanische Ordnungsinstrumente, die natürlich US-Interessen dienten, gleichzeitig aber auch globales Regieren erlaubten. Keineswegs erst seit dem Machtantritt Donald Trumps, sondern schon seit dem Beginn der 2000er Jahre ist eine rasch voranschreitende Erosion dieser Ordnung zu beobachten, die wesentlich auf geringeren politischen Input von Seiten der USA zurückzuführen ist. Das hat drei Gründe: Zum einen ist die Hegemonialposition der USA mit dem Aufstieg Chinas und anderer Schwellenländer objektiv geschwächt worden. Zum anderen haben die USA durch eine Reihe sinnloser Kriege (Afghanistan, Irak, Libyen) viel politisches, moralisches und wirtschaftliches Kapital verspielt und damit ihre eigene Position untergraben. Und schließlich ziehen sich die USA nicht erst seit der Regierung Trump selbst aus globaler Führungsverantwortung zurück.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Druckausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Bild: imago images / AAP

Mehr Westen oder mehr Osten wagen?

von Herfried Münkler

Wenn gegenwärtig im außenpolitischen Kontext über die Trump-Regierung gesprochen wird, geht dies in aller Regel mit einer Warnung vor Parallelen zur isolationistischen US-Politik nach 1919 einher. Tatsächlich gehört zu den zentralen Merkposten einer jeden historischen Darstellung des 20.

EU: Waffen als Exportschlager

von Michael Brozska

Seit Jahrzehnten zählt die Bundesrepublik zu den größten Waffenexporteuren weltweit. Laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI rangiert sie derzeit – nach den USA, Russland und Frankreich – weltweit auf dem vierten Platz.

Deutsch-französischer Wettlauf um Afrika

von Frauke Banse

Auf die Frage, was die „globalen Anfechtungen“ aus China, Russland und den USA mit Europa machen würden, antwortete Angela Merkel jüngst in einem Zeitungsinterview: „Sie fordern uns immer wieder ab, gemeinsame Positionen zu suchen. […] Unsere Afrikapolitik folgt inzwischen einer gemeinsamen Strategie, die vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen wäre.