Ausgabe September 2019

Absturz der Himmelsstürmer

Das Scheitern des Linkspopulismus und die Zukunft der europäischen Linken

Keine fünf Jahre ist es her, da stand dieses Bild für die Zukunft der europäischen Linken: Im Januar 2015 reckt Alexis Tsipras auf einer Bühne in Athen siegesgewiss die Faust gen Himmel und legt einen Arm um die Schulter von Pablo Iglesias. Wenig später ist Tsipras der neue griechische Premierminister, und Iglesias‘ frisch gegründete Podemos macht sich berechtigte Hoffnungen, bald Spanien als stärkste Kraft regieren zu können. Linker Populismus, zu dem sich Podemos offensiv bekennt, scheint die Strategie der Stunde zu sein: Im Kampf gegen Austeritätsprogramme wollen populistische Parteien „das Volk“ gegen „die Eliten“ mobilisieren, vor allem aber gegen den angeblich homogenen Block der anderen Parteien. Mit dieser im Kern anti-pluralistischen Strategie streben sie nach absoluten Mehrheiten.

Wenige Monate später, als Tsipras in Brüssel bereits demütigend gegen die europäischen Gläubiger seines Landes verloren hat, kürt die traditionsreiche britische Labour-Partei völlig überraschend den linken Jeremy Corbyn zum neuen Vorsitzenden. Corbyn ist zwar kein Populist im engeren Sinn, profitiert aber ähnlich wie Tsipras und Iglesias vom Schwung breiter Protestbewegungen. Kurzum: Europas Linke hat 2015 neue Vorbilder gefunden, denen im Süden, Osten und Westen alsbald viele nacheifern.

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