Ausgabe Februar 2020

Nach Madrid: Klimadiplomatie in der Sinnkrise

Greta Thunberg auf der COP25

Bild: imago images / alterphotos

Der Blick nach Australien zeigt derzeit überdeutlich: Die verheerenden Folgen des Klimawandels machen längst nicht mehr vor den wohlhabenden Industriestaaten halt. Von den schlimmsten Waldbränden seit Menschengedenken spricht die Feuerwehr im besonders betroffenen Bundesstaat New South Wales. Schon im vergangenen Dezember wurde dort der Ausnahmezustand ausgerufen.[1] Von dieser Dringlichkeit war beim zeitgleich tagenden Weltklimagipfel in Madrid viel zu wenig zu spüren. Die Regierungen dieser Welt hätten die Wissenschaft ignoriert, schimpfte Greta Thunberg und reiste noch vor Verhandlungsschluss wütend ab. Aber nicht nur Aktivisten, sondern auch Wissenschaftler, Politikberater und sogar UN-Diplomaten sprachen von einem „gruseligen Fehlstart“, der „letzten Abwehrschlacht der fossilen Lobby“ oder einem „skandalösen Misserfolg“. Selbst UN-Generalsekretär António Guterres twitterte, er sei „enttäuscht über die Ergebnisse“ des 25. Treffens der „Conference of the Parties“, kurz COP.

Dass die Klimadiplomatie gerade jetzt in die Krise geraten würde, hatte sich bereits abgezeichnet. Bezeichnend ist allein schon, dass die COP erstmals in ihrer Geschichte gleich zwei Mal verlegt werden musste. Erst zog der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro, ein Klimawandelleugner, die Einladung seiner Vorgängerregierung zurück, dann musste die chilenische Regierung wegen massiven Sozialprotesten nach monatelangen Vorbereitungen das Handtuch werfen.

Februar 2020

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