Ausgabe Juli 2020

Posttribalismus für die Praxis

Die Philosophin Susan Neiman hat ein Buch zur Geschichte der Gegenwart geschrieben, das von hoher, ja brennender Aktualität ist – buchstäblich.

„Von den Deutschen lernen“ ist vieles zugleich: eine Auseinandersetzung mit verbrecherischer nationaler Vergangenheit und postheroischem Heldentum, eine stereoskopische Analyse der unterschiedlichen Erinnerungskulturen in Deutschland und den USA, aber auch ein Reisebericht durch die Landschaften und Orte der Erinnerung. Alles autobiographisch – und unterfüttert mit zahlreichen Beispielen teilnehmender Beobachtung.

Neiman, eine Kantianerin und Rawls-Schülerin, lebt seit mehr als einem Vierteljahrhundert in Berlin und ist seit dem Jahr 2000 Direktorin des Potsdamer Einstein Forums. Prägend war für sie die Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre in Georgia, wo sie aufwuchs. In ihrem Buch hält sie der US-amerikanischen Gesellschaft ihrer Jugend nun den Spiegel der deutschen Gesellschaft ihres Erwachsenenalters vor: Was lässt sich von der „Vergangenheitsaufarbeitung“, dem working-off-the-past, für die Erinnerung an die Sklaverei ableiten? Was ist überhaupt verallgemeinerbar am Umgang der Deutschen mit dem Bösen in ihrer Geschichte?

Die Deutschen sahen sich nach dem Zweiten Weltkrieg selbst als Opfer von Krieg und Besatzung, bis die ins Studienalter gekommenen Kinder der NS-Generation ihren Eltern unangenehme Fragen zu stellen begannen – 1968.

Juli 2020

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Aktuelle Ausgabe Juli 2020

In der Juli-Ausgabe beleuchten der Historiker Ibram X. Kendi und die Soziologin Keeanga-Yamahtta Taylor die lange Tradition rassistischer Gewalt in den USA – und zeigen Wege aus dem amerikanischen Albtraum auf. Der Soziologe Gary Younge und der Journalist Marvin Oppong richten den Blick auf den Rassismus und die Polizeigewalt in Europa. Der Journalist Michael Pollan legt die brutale Effizienz der Lebensmittelindustrie offen – die uns alle buchstäblich krank macht. Und »Blätter«-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert den steilen Aufstieg Markus Söders inmitten der Coronakrise - und dessen Chancen, nächster Bundeskanzler zu werden.

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