Ausgabe Mai 2020

Exit ist nicht genug: Warum Nach-Corona nicht Vor-Corona sein darf

Eine fliegende Fledermaus

Bild: Igam Ogam / Unsplash

Inzwischen grassiert das Coronavirus seit einigen Monaten, die harten Reaktionen aber begannen erst vor wenigen Wochen. Der richtige Zeitpunkt für langfristige Änderungen wie für die Bestätigung von Bewährtem steht noch bevor. Vieles lässt sich noch nicht übersehen, noch herrscht die Gegenwart, die uns mit täglich Neuem in Atem hält. Der Modus der Gegenwart ist die Gefahrenabwehr. Das politische „Entscheiden auf Sicht“ ist dafür die richtige Strategie. In Krisen muss man vom Schlimmsten sprechen, weil man damit rechnen muss. Das allein hilft in der Regel aber nichts, wenn man nicht auch die Möglichkeit des Besseren und Guten in Betracht zieht – dass sich mit dieser Krise also auch echte Chancen bieten. Schon allein das Wort „Exit“, so sehr es in aller Munde ist, leitet daher in die Irre. Ein einfaches Zurücksetzen auf den Status quo vor dem Corona-Ausbruch wäre nur für manche möglich und zuträglich. Dafür sind die Einschnitte wohl schon heute zu tief. Statt eines Exit wäre ein Enter, ein Einstieg in etwas Neues, daher weit eher sachgerecht. Denn schon jetzt zeitigt diese Krise, wenn auch noch vorläufig und unvollständig, erste fundamentale Erkenntnisgewinne.

Der Mensch erreicht das Virus – am Anfang war das Anthropozän

Am Anfang gilt es festzustellen: Nicht das Virus erreicht den Menschen, sondern der Mensch das Virus. Die Pandemie ist kein überraschender Unfall. Sie war vorhergesagt und sie ist zwangsläufig.

Mai 2020

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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