Ausgabe November 2021

Japan unter Fumio Kishida: Zurück in die alte Erstarrung?

Japans Premierminister Fumio Kishida, der auch Vorsitzender der regierenden Liberaldemokratischen Partei ist, bei einer Diskussionsrunde mit anderen Vorsitzenden der wichtigsten politischen Parteien Japans, 18.10.2021 (IMAGO / ZUMA Wire)

Bild: Japans Premierminister Fumio Kishida, der auch Vorsitzender der regierenden Liberaldemokratischen Partei ist, bei einer Diskussionsrunde mit anderen Vorsitzenden der wichtigsten politischen Parteien Japans, 18.10.2021 (IMAGO / ZUMA Wire)

Das Rennen um die Nachfolge von Japans Ministerpräsident Yoshihide Suga ist entschieden: Im Kampf um den Vorsitz der Liberaldemokratischen Partei (LDP) hat sich mit dem früheren Außenminister Fumio Kishida der Kandidat des konservativen Establishments der Partei gegen den deutlich liberaleren Taro Kono durchgesetzt – und anschließend stellte er sich als Premier zur Wahl. Anfang Oktober dieses Jahres stimmten schließlich beide Kammern des japanischen Parlaments für den 64jährigen Kishida. Damit siegt jener reaktionäre Teil der LDP, von dem ein Großteil jährlich am Yasukuni-Schrein der gefallenen Militärangehörigen gedenkt, die während und seit der Meiji-Restauration von 1868 auf der Seite der kaiserlichen Armee ihr Leben ließen, einschließlich der in den Tokioter Prozessen verurteilten Kriegsverbrecher, die im Zweiten Weltkrieg an der Seite Deutschlands gekämpft hatten. Doch ungeachtet der Verbrechen halten diese Abgeordneten wie schon ihre Väter und Großväter unbeirrbar an der Idee von Japans alter Größe fest.

Dass sich der farblose Kishida gegen den in der Bevölkerung und auch bei der Mehrheit der LDP-Mitglieder weitaus beliebteren Kono durchsetzen konnte, hat vor allem mit der noch immer immensen Macht des konservativen Ex-Premiers Shinzo Abe (2006-2007 und 2012-2020) zu tun. Dieser hatte Premier Yoshihide Suga seine Unterstützung entzogen, woraufhin dieser Anfang Oktober nach nur einem Jahr im Amt zurücktrat.

November 2021

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Druckausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.