Ausgabe November 2021

Von Trump zu Biden: Die Ära des »America first«

US-Präsident Joe Biden salutiert während der jährlichen Gedenkfeier zum Volkstrauertag im Memorial Amphitheater auf dem Arlington National Cemetery, 31.5.2021 (IMAGO / ZUMA Wire)

Bild: US-Präsident Joe Biden salutiert während der jährlichen Gedenkfeier zum Volkstrauertag im Memorial Amphitheater auf dem Arlington National Cemetery, 31.5.2021 (IMAGO / ZUMA Wire)

Der militärische Rückzug der USA aus Afghanistan mit seinen desaströsen Folgen wie auch der Aufstieg Chinas haben nicht zuletzt in den Vereinigten Staaten eine neue geopolitische Debatte ausgelöst, die wir auch in den »Blättern« führen und weiter fortsetzen werden.
In der September-Ausgabe beleuchtete Jeffrey D. Sachs den »blutigen Irrweg Afghanistan« und Bernd Greiner interpretierte die Trias Nine Eleven, Afghanistan, Irak als »das Ende des amerikanischen Jahrhunderts«. In der Oktober-Ausgabe deutete Herfried Münkler den Abzug aus Afghanistan als globale Zäsur im Sinne einer aufziehenden »Weltordnung ohne Hüter«. Der folgende Text stammt von Richard Haass, als Director of Policy Planning enger Berater des damaligen US-Außenministers Colin Powell und seit bald zwanzig Jahren Präsident des einflussreichen Council on Foreign Relations. In seinem Beitrag identifiziert er einen fundamentalen Paradigmenwechsel in der US-amerikanischen Außenpolitik, nämlich »America first« als die neue Leitdoktrin, und zwar keineswegs nur von Donald Trump, sondern ebenso von Joe Biden. – D. Red.

Donald Trump war, so dachte man, ein Ausrutscher – ein US-Präsident, dessen Außenpolitik einen schroffen, aber nur temporären Bruch mit jenem Internationalismus darstellte, von dem die Vereinigten Staaten sich weltpolitisch sieben Jahrzehnte lang hatten leiten lassen. Trump hielt wenig von Bündnissen und verachtete multilaterale Institutionen.

November 2021

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In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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