Ausgabe September 2021

Die Sturzflut als Exempel

Wie wir endlich vom Wissen zum Handeln kommen

Aufräumarbeiten im Ahrtal nach heftigen Regenfällen und Dauerregen mit Überschwemmungen und Überflutungen, 5.8.2021 (IMAGO / Future Image)

Bild: Aufräumarbeiten im Ahrtal nach heftigen Regenfällen und Dauerregen mit Überschwemmungen und Überflutungen, 5.8.2021 (IMAGO / Future Image)

Spätestens seit dem jüngsten Bericht des Weltklimarates (IPCC) wissen wir eines ganz genau: Bei den verheerenden Regenfluten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, die über 170 Tote und hohe Milliardenschäden zur Folge hatten, handelt es sich nicht um ein Einzelereignis. Auch wenn es regionale Unterschiede sowie Unsicherheiten in den geografischen und metrologischen Parametern gibt, steht eines fest – dass die anthropogene Klimaerwärmung zu mehr Extremereignissen wie Starkregen führt. Der Grund dafür ist klar: Bei höheren Temperaturen steigt mehr Wasser und damit Energie in die Troposphäre auf, die wärmere Atmosphäre speichert mehr Feuchtigkeit. Das begünstigt ein Abregnen hoher Niederschlagsmengen. In Deutschland sind die Mittelgebirgsregionen von diesem „feuchten Treibhauseffekt“ besonders betroffen. Noch dramatischer ist die Lage aber in jenen Erdregionen, in denen die Temperatur der ozeanischen Deckschicht 27 Grad Celsius übersteigt. Mit der aufsteigenden Feuchte und Energie kommt es dort verstärkt zur Bildung von Wirbelstürmen.

Hinzu kommt, dass Wetterlagen länger über einer Region verharren. Dahinter steckt ein globales Phänomen. Die Atmosphäre erwärmt sich nicht gleichmäßig, sondern an den Polen deutlich stärker als am Äquator. Das vermindert den Temperaturunterschied zwischen diesen beiden Punkten auf unserem Planeten.

September 2021

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Druckausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Die Kunst der Bricolage

von Frank Adloff

Der Ausweg aus der dramatischen Doppelkrise aus fortschreitender Klimaerwärmung und schwindender Biodiversität muss ein schrittweises Handeln sein, das ökologische Modernisierung und radikalen Systemwandel gleichzeitig verfolgt.

Hochseeschutz: Hoffnung für das Lebenselixier des Planeten?

von Julia Lauter

Weit draußen vor unseren Küsten liegt eine weitgehend ignorierte Weltregion, an der das Überleben der Menschheit hängt: die Hohe See. Sie bedeckt zwei Drittel der Erdoberfläche, in ihr leben rund 80 Prozent aller Tierarten, sie reguliert das globale Klima und bindet ein Drittel des vom Menschen verursachten CO2.