Ausgabe Februar 2025

Nicht ein Wort des Erschreckens

Francesca Melandri: Kalte Füße, Cover: Wagenbach Verlag

Bild: Francesca Melandri: Kalte Füße, Cover: Wagenbach Verlag

Franco Melandri diente als Leutnant der Alpini, der italienischen Gebirgsjäger, in Mussolinis Armee. Als solcher marschierte er in die Sowjetunion ein und trat später den chaotischen Rückzug an. Anders als in Deutschland, wo sich die Kriegsgeneration öffentlich in Schweigen hüllte, wurde in Italien über diese Ritirata di Russia, den „Rückzug aus Russland“ gesprochen. Die Veteranen erzählten ihn als Opfergeschichte junger Männer, die sich nur mit Pappsohlen unter den Stiefeln durch den harten russischen Winter bis nach Hause schleppten und sich dabei oft Gliedmaßen abfroren. „Kalte Füße“ nennt Francesca Melandri, die Tochter des körperlich heil zurückgekehrten Leutnants, denn auch ihr Buch, das fulminant Erinnerung mit politischem Essay verbindet.

Ihr Ausgangspunkt ist eine jähe Erkenntnis im Vorfrühling des Jahres 2022. Als Melandri, zu diesem Zeitpunkt schon eine international bekannte Schriftstellerin, die Nachrichten über die russische Invasion der Ukraine verfolgt, stellt sie fest, dass sie die Namen der heutigen Kriegsschauplätze aus den Erzählungen und Büchern ihres Vaters kennt: Isjum, Dnipro, Charkiw. Der Soldat Franco Melandri, das realisierte seine Tochter erst in jenen Tagen, hatte nicht den Rückzug aus Russland angetreten, sondern aus der Ukraine.

»Blätter«-Ausgabe 2/2025

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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